Schluss, aus, vorbei – und weiter geht’s

Drei Wochen Stadradeln neigen sich dem Ende entgegen. Ein letztes Mal noch zum Supermarkt geradelt, davor Altglas und Weißblech in die Fahrradtaschen gepackt und diese am kleinen Wertstoffhof geleert. Beim Bäcker und Metzger war ich wie üblich schon vor dem Frühstück gewesen.

Ab morgen wird dann wieder sinnlos Benzin verbrannt und ich fahre sogar die 200 Meter zum Briefkasten mit dem Auto. Nein, natürlich nicht.

Ich hatte es eingangs schon geschrieben: Ich fahre ohnehin schon viel mit dem Fahrrad und lasse das Auto meist stehen, insbesondere in den Sommermonaten. Für einige Erledigungen ist das Auto mindestens praktisch, wenn nicht sogar notwendig. Andererseits: Ich war mit dem Fahrrad mal wieder in Garching, hätte ich vermutlich sonst nicht gemacht. Das Wetter kam mir in den drei Wochen auch sehr entgegen, an nur einem Tag hat es heftig geschüttet, ich konnte dann aber im Homeoffice arbeiten. 

An solchen Tagen ist das Auto natürlich verlockend, zumal ich schon patschnass an der S-Bahn angekommen wäre und die 700 Meter von der U-Bahn bis zum Büro hätten es noch schlimmer gemacht. Aber warum bei der nächsten Gelegenheit einfach nass werden? Ich habe wasserdichte Fahrradtaschen und könnte in der Umkleide im Büro in trockene Sachen schlüpfen. Nur bei Gewitter fahre ich höchst ungern.

Nächste Woche werde ich vielleicht wieder mehr als die zwei Flaschen Wein kaufen, die ich gefahrlos in der Tasche auf dem Rad transportieren kann. In die die Tasche passt ein kompletter Karton, wie ich festgestellt habe. Aus Gründen der Balance wäre es ohnehin klüger, beide Taschen gleich schwer zu befüllen.

Ja, wenn die Gartensäcke mal wieder voll sind, werde ich doch das Auto nehmen, bevor ich mir ein Lastenrad leihe. Es sieht aber ganz danach aus, dass ich in diesem Jahr wieder mehr Kilometer auf dem Fahrrad zurücklege als ich hinter dem Steuer sitze.

Stadtradelnkilometer 2026: 660,45

Gesamtkilometer 2026 bisher:  2.737

Schnell von Haidhausen auf den Berg

Die letzten Höhenmeter schiebe ich das Rad. Kopfsteinpflaster, recht glatt, und das Bürorad ist nicht das optimale Gefährt dafür. Noch dazu sind die Kopfsteinpflaster der letzten zehn Höhenmeter auf den Olympiaberg als Fußwege ausgewiesen. Auf denen fahre ich nur im absoluten Notfall und auch nur dann, wenn ich keine Fußgänger dabei belästige.

Der Olympiaberg – etwa 40 Höhenmeter auf dem Rad und dann eben noch mal zehn zu Fuß neben dem Rad – ist schon der zweite Berg auf dieser Tour. Der erste war der Giesinger Berg, von der Corneliusbürcke kommend, am Mariahilfplatz vorbei die Gebsattelstraße hoch. Angenehm wenig los und obwohl es sich hier nur um einen Schutzstreifen handelt, ist der breit genug, dass mich der E-Biker gefahrlos bergauf überholen konnte.

Natürlich werde ich nicht fürs Radeln bezahlt, mein Beruf bringt es aber mit sich, dass ich manchmal zu einem Pressebriefing darf oder muss, wo Hersteller und die von ihnen beauftragten Agenturen Produkte vorstellen oder gar demonstrieren. Die Reise dahin ist Arbeitszeit, sofern man nicht in einem ICE sitzt oder im Fond eines Dienstwagens, wo man dann noch arbeiten könnte. Dienstwagen mit Chaffeur habe und brauche ich nicht, ICE verkehrt keiner von Gröbenzell nach Haidhausen. Also mit dem Rad auf den Weg gemacht: Mein Einsatz galt heute dem smarten Fernglas Envision des französischen Herstellers Unistellar. Vor zwei Jahren hatte ich deren Teleskop Odyssee schon mal testen dürfen.

Die Demonstration des Envision sollte auf dem Olympiaberg passieren, von dort hat man eine wunderbare 360-Grad-Sicht auf die Stadt und was alles dahinter liegt – die Chiemgauer Alpen zum Beispiel. Der Trick des Envision, den ich auch schon mal näher erläutert habe: Im Sichtfeld blendet das Fernglas Informationen über die Landmarken, Gebäude und Objekte ein, die da zu sehen sind. Ist alles noch in Vorserie, ich werde zu gegebener Zeit über das finale Produkt berichten.

Darum geht es hier auch nicht, sondern um das Stadtradeln. Als die Einladung zu Präsentation und Demonstration kam, zögerte ich keinen Moment mit der Zusage. Den Olympiaberg könnte ich zur Not zu Fuß vom Büro aus erreichen und mit dem Radl ganz locker in wenigen Minuten. Nur war die vorherige Präsentation in den Räumen einer Agentur in Haidhausen angesetzt, in der St-Martin-Straße, Ecke Balanstraße.

Ist von Gröbenzell aus eine Strecke von etwa 24 Kilometern. Ich habe dennoch eine Stunde und 45 Minuten dafür gebraucht, es geht schließlich mitten durch die Stadt. Dort finden sich immer mehr gut ausgebaute Radwege, von denen ich zu meinen Studienzeiten noch nicht einmal zu träumen wagte, aber eben auch jede Menge Ampeln, die ich – anders als mancher Radler auf der Strecke – nicht ignoriere.

War wieder eine angenehme Fahrt bei sommerlichen Temperaturen, ich hatte mich schon Ende April bei nur wenigen Grad weniger die Gebsattelstraße hochgequält, um oben an der Kuppe in Richtung Paulaner Biergarten abzubiegen. Dieses Mal also geradeaus, durch die Au nach Haidhausen und nach der kurzen Präsentation des Produkts wieder aufgesessen und in Richtung Olympiapark geradelt. Balanstraße, Rosenheimer Straße, am Gasteig vorbei über die Ludwigsbrücke auf den Altstadtring – feine Radwege, die bei der Abfahrt die Mühen des Aufstiegs belohnen. 

An der Staatskanzlei dann in Richtung Hofgarten abgebogen, über Karolinenplatz und Königsplatz in die Maxvorstadt. Dort dann über de Görrestraße zur Schleißheimer und links in die Karl-Theodor-Straße abgebogen – da sehe ich ihn auch schon, den Monte Scherbelino.

Ich bin sogar fünf Minuten vor den Kollegen da, die von Haidhausen aus ein Taxi nahmen, das aber meist im Stau stand. 

An Tagen wie diesen (ja, die Toten Hosen haben gestern und vorgestern am Fuß des Olympiabergs musiziert) ist Radfahren auch in der Stadt ein Traum. Freilich kenne ich hier auch schwierigere Verkehrs- und Wetterlagen, aber je mehr Wege ich mit dem Rad zurücklege umso weniger Lust habe ich noch, mit dem Auto zu fahren. An der St.-Martin-Straße hätte ich eh keinen Parkplatz bekommen und die Olympiaparkharfe ist so weit vom Berg entfernt, dass sich für diese letzte Meile schon beinahe ein Leihfahrrad gelohnt hätte.

Stadtradelnkilometer 2026 bisher: 615,8

Gesamtkilometer 2026 bisher:  2.712

Der Verbrenner ist nicht allein das Problem

Ich frage mich manchmal, warum man von Kraftfahrzeugen spricht. Die meiste Zeit stehen sie herum, nicht alle in einer Garage, auf einem festen Stellplatz oder dem Firmenparkplatz, sondern auf öffentlichem Grund, also dem Straßenrand. Das macht manche Straßen zu De-Facto-Einbahnstraßen, denn an den links wie rechts parkenden Autos kommt kein Auto an einem Radler vorbei, geschweige denn zwei Autos aneinander im Begegnungsverkehr. 

In einer Einbahnstraße in Lochhausen schließlich geht gar nichts mit überholen, wenn ich da mit dem Radl unterwegs bin. Nicht einmal, wenn ich mit den Reifen am rechten Bordstein entlang schleifen würde, anstatt die geforderten 80 cm Abstand einzuhalten. Klar, nach der Engstelle werden die Autofahrer ungeduldig, und wollen noch schnell vor der Kurve überholen. Aber wenn da schon etwas entgegen kommt, dann bricht man das Überholmanöver nicht ab, sondern kommt dem Radler nahe, sehr nahe. Ich schätze, das waren heute eher 15 cm als die geforderten 1,5 m. 

Ob der Fahrer meine Geste verstanden hat, so er sie im Rückspiegel noch sah? Den Mittelfinger bestimmt, den Scheibenwischer auch, aber die Geste mit dem drei Zentimeter über dem Daumen gehaltenen Zeigefinger? “So knapp!” drücke ich damit aus, nehme aber in Kauf, dass der Fahrer (Gendern bewusst vermieden) das auch anders interpretieren könnte.

Das mutmaßliche Kompensationsobjekt, das mich so knapp überholte und damit massiv gefährdete, war ein schwarzer Tesla. Womit mal wieder bewiesen wäre: Auch in Elektrofahrzeugen sitzen Menschen, die charakterlich nicht in der Lage sind, am Straßenverkehr teilzunehmen. Das hängt gewiss nicht von der Marke ab, ein Aufkleber “I bought this, before Elon went crazy” würde da auch nicht helfen.

Bitte keine Missverständnisse: Mir gefallen Elektroautos und Tesla hat mit seinen Fahrzeugen gezeigt, dass die Dinger auch schön und cool sein können, weswegen dem Verbrenner niemand eine Träne wird hinterher weinen müssen. Aber auch sie können Radfahrer wie Fußgänger gefährden und stehen meist nutzlos in der Gegend herum.

Der Elektromotor ist dem Verbrenner bei Weitem überlegen, was die Effizienz betrifft. Das Fahrvergnügen leidet auch nicht, ganz im Gegenteil, es ist ein großer Spaß, wenn das volle Drehmoment der Maschine sofort zur Verfügung steht und nicht erst bei hohen Drehzahlen. Das Problem der Reichweite ist mittlerweile auch kein großes mehr, hat aber zu Beginn des Automobilzeitalters dem schon damals überlegenen Elektromotor vorerst den Garaus gemacht. Benzin und Diesel haben nun mal eine sehr hohe Energiedichte und sind für längere Strecken weit einfacher mitzunehmen als Elektrospeicher.

Wenn es zur Jahrhundertwende von 19ten zum 20sten schon Lithium-Eisen-Phosphat-Akkus gegeben hätte, wäre die Sache anders ausgegangen. Erzählungen über Bertha Benz, die bei ihrer ersten Ausfahrt den Treibstoff in der Apotheke kaufen musste, würden die Menschen heute mit Kopfschütteln hinnehmen: “Hatten die keine induktiven Fahrbahnen oder wenigstens Ladesäulen?”

Der Verbrenner hat keine Zukunft, ich fürchte aber, dass die Elektrofahrzeuge, die in zehn oder zwanzig Jahren die überwiegende Mehrheit auf den Straßen stellen, noch breiter, noch länger, noch höher als heute sein werden. Wegen der Reichweitenangst und dem daraus folgenden Bedarf an großen und noch größeren Akkus. Wegen der irren Idee, dass nur viel Leistung viel hilft. Wegen der Bequemlichkeit in großen Fahrgasträumen. Keine guten Aussichten für Radler.

Ich versuche daher, Autostraßen zu vermeiden, das gelingt leider nicht immer. Vom Büro nach Hause bin ich dann aber durch das Kapuzinerhölzl und später die Aubinger Lohe gefahren. So schön, ohne Autos.

Stadtradelnkilometer 2026 bisher: 581,63

Gesamtkilometer 2026 bisher: 2.660

Petrichor

Ich bin zu spät aufgestanden, als dass ich Petrichor auf dem Weg ins Büro hätte riechen können. Obwohl, eigentlich war es andersherum: Der Regen hatte am Mittwochmorgen zu früh eingesetzt, um mich auf dem Rad mit dem Geruch von frisch gefallenem Regen auf trockene Erde zu verwöhnen. Manchmal gibt es neben den beiden offensichtlichen Polen noch eine dritte Möglichkeit: Der Boden war noch nicht wieder trocken genug für Petrichor.

So nennt man jenen Geruch, der entsteht, wenn Regen erst zaghaft nach einer längeren Trockenperiode fällt. Es sind Öle von Pflanzensamen, die sich insbesondere auf Steinboden während längerer Phasen ohne Regen angesammelt haben und die sich in Aerosole auflösen, wenn es endlich wieder nieselt, tröpfelt, regnet und schließlich schüttet.

Auf meinem Heimweg am Sonntag von Garching hatte ich zeitweise diesen Geruch in der Nase, der Erlösung verheißt: Das Ende der Trockenphase, die lang erwartete Abkühlung, die natürliche Reinigung staubiger Straßen und Wege. Petrichor sollte für den Radler aber auch Warnung sein.

Denn es liegen auf trockenen Straßen nicht nur feine Ölfilme, die sich alsbald auflösen, sondern auch Blütenpollen, Blätter oder andere organische Hinterlassenschaften. Die werden gerne schmierig und besonders in Kurven ist Achtsamkeit erfordert, um nicht auf dem nassen Blütenstaub wegzurutschen.

Als Sicherheitsbeauftragter habe ich gelernt, dass man auch Beinaheunfälle melden soll, damit potenzielle Gefahrenquellen beseitigt werden können oder die Vorsicht in bestimmten Situationen an bestimmten Orten die Regie über das Handeln übernimmt. 

In einer Ecke der Gemeinde Gröbenzell bin ich bei nasser Straße mal in der Kurve auf einem solchen organischen Film weggerutscht. Ich weiß nicht mehr, wie es mir gelang, das Fahrrad wieder ins Gleichgewicht zu bringen ohne dass es mich abgeworfen hätte, aber dafür musste ich den Gegenverkehr kreuzen, in dem sich eben ein Lieferwagen meiner Beinaheunfallstelle näherte. 

Mein Glück: Es handelte sich um einen verkehrsberuhigten Bereich, in den ich nicht wirklich einbog, sondern in den ich schlitterte. Der Lieferwagen war indes nur mit Schrittgeschwindigkeit unterwegs, so wie es sich gehört. Schrittgeschwindigkeit bedeutet übrigens nicht das Tempo, in dem Usain Bolt bei seinem 100-Meter-Weltrekord im Berliner Olympiastadion die Ziellinie überschritt, sondern höchstens 5 bis 8 km/h. Vermutlich musste der Lieferwagenfahrer nicht mal auf die Bremse tippen, sondern sie nur anhauchen, um binnen Zentimetern zum Halt zu kommen. Selbst bei einem Sturz wäre ich mit dem Fahrzeug nicht kollidiert.

Mir blieb nach Stabilisierung des Rades nur noch, die Hand zum Dank zu heben, mich am Lieferwagen vorbei zu quetschen und den Rest der verkehrsberuhigten Straße langsam entlang zu rollen. Seither bremse ich an der Ecke, an der der Baum, auf dessen Hinterlassenschaften ich beinahe verunfallt wäre zum Glück immer noch steht, bevor ich in die Straße einbiege. Selbst dann, wenn es trocken und keine Spur von Petrichor in der Luft ist.

Stadtradelnkilometer bisher: 545,15

Gesamtkilometer bisher: 2.624

Abschied

Eine der scheußlichsten Eigenschaften der Menschheit ist die Schadenfreude. Aber ich kann kaum verhehlen, dass ich heute unmittelbar nach dem Aufwachen mit Genugtuung vom Ausscheiden der USA beim World Cup der korrupten und unterwürfigen FIFA erfuhr.

Dieser Abschied vom amerikanischen Jahrhundert macht aber keine Freude. Wie ein Imperium aus Gründen der Gier und der Selbstüberschätzung vor aller Augen Selbstmord begeht, sollte uns eher mit Sorge erfüllen.

Lieber einmal mehr bremsen

Der Rückweg von der Arbeit führt mich über den Radweg an der Von-Kahr-Straße, die ab der Kreuzung zur Eversbuschstraße schließlich Mühlangerstraße heißt. Gegenüber ist die Inselmühle, einer der schönsten Biergärten westlich der Isar. Nutze ich gerne für eine Einkehr (siehe Bild), aber nicht auf jedem Heimweg.

Die Ecke hat es aber für den stadtauswärts führenden Radverkehr in sich. Zum einen halten zwei Buslinien an dieser Ecke: Wer aus dem Bus aussteigt, steht direkt auf dem Radweg, wer rein will, muss ihn kreuzen. Für mich selbstverständlich, lasse ich die ÖPNV-Nutzer ein- und aussteigen oder fahre sehr vorsichtig am anhaltenden Bus vorbei, solange dessen Türen noch geschlossen sind und von rechts keine Fahrgäste auf meine Bahn treten.

Ein paar Meter weiter westlich wird es kompliziert, die Von-Kahr hat eine Rechtsabbiegerspur in die Eversbusch und gegenüber führt eine Linksabbiegerspur nach Norden. Meistens halten sich die Autofahrer an die Regeln und lassen den Gegenverkehr durch, bevor sie links abbiegen oder die Fußgänger und Radler erst einmal über die grüne Ampel, bevor sie links oder rechts abbiegen. 

Aber hier wird es für Radler schwierig. Denn einige Autofahrer sind offenbar der Meinung, wenn die Fußgängerampel rot zeigt, muss auch der Radler bremsen – und wenn es ihn dabei überschlägt.

Ist mir nicht heute passiert, aber an der Ecke oft genug. Reflektiert wie ich bin, habe ich nach so einem Vorfall, als mich der Autofahrer, der mich beinahe auf die Motorhaube genommen hatte auch noch beschimpfte, es sei ja rot, mal in der Straßenverkehrsordnung geblättert. Na gut, ich habe gegoogelt.

Das Ergebnis der Suche: StVO, §37, Abs. 6: 

Wer ein Rad fährt, hat die Lichtzeichen für den Fahrverkehr zu beachten. Davon abweichend sind auf Radverkehrsführungen die besonderen Lichtzeichen für den Radverkehr zu beachten. An Lichtzeichenanlagen mit Radverkehrsführungen ohne besondere Lichtzeichen für Rad Fahrende müssen Rad Fahrende bis zum 31. Dezember 2016 weiterhin die Lichtzeichen für zu Fuß Gehende beachten, soweit eine Radfahrerfurt an eine Fußgängerfurt grenzt.

Sprich: Für mich gilt die “Autoampel”. Die war ebenso grün wie für den Autofahrer. Vollkommen egal, dass die Fußgängerampel schon rot zeigt. Falls dort eine Ampel mit einem Symbol sowohl für Fußgänger als auch für Radfahrer montiert wäre, hätte die für mich gegolten und der schimpfende Autofahrer wäre im Recht gewesen. Aber an der Stelle – möge bitte ein jeder selbst überprüfen – ist die Ampel in Ost-West-Richtung eindeutig für Fußgänger und nicht auch für Radler. Also halte ich mich an die Lichtzeichen für den Fahrverkehr.

Ich bin dennoch vorgewarnt, ich habe keine Lust, dass jemand auf meinen Grabstein meißelt “Laut §37 Abs. 6 StVO war er im Recht”. 

Gerne könnt Ihr dem nächsten unverschämten Autofahrer in einer solchen Situation entgegen schleudern: “§37, Absatz 6!” Aber bitte genau bleiben, denn der Paragraph 27 regelt im sechsten Absatz die Überquerung von Brücken: 

Auf Brücken darf nicht im Gleichschritt marschiert werden.

Das hat physikalische Hintergründe (Resonanz), die auch gerne noch Fahrschulen vermitteln könnten, obwohl diese spezielle Regel für Auto- und Motorradfahrer eher irrelevant ist.

Ich habe aber immer wieder mal das Gefühl, dass einige Autofahrer ihren Führerschein in der Haferflockenpackung gefunden haben. Besonders diejenigen, die Radler laut ausschimpfen.

Stadtradelnkilometer bisher: 513,48

Gesamtkilometer bisher: 2.593

Vier gewinnt

So ein Ruhetag ist notwendig, die Isar-Runde am Sonntag war anstrengend. Und so lange ich noch einen oder zwei Tage in der Woche im Homeoffice arbeiten darf, nutze ich das aus. Ein paar Sachen kann ich dann konzentrierter angehen, andere wären im Großraumbüro nur schwer machbar. Etwa eine Diktiersoftware zu testen oder ein Carplay-Nachrüstset, denn das muss ich im Auto ausprobieren.

Oh, da darf ich ja gar nicht rein! Obwohl: In dem Fall wäre es den Bedingungen des Stadtradelns zufolge sicher noch erlaubt gewesen. Aber ich habe mir besser im Wohnzimmer zunächst angesehen, wie sich das iPhone per Carplay mit dem System verbinden lässt, wie der Bildschirm so aussieht, welche Befestigungsmethoden gegeben sind und wie das mit der Rückfahrkamera ist. Nach Ende des Stadtradelns werde ich das System dann im Auto installieren und weitere Tests vornehmen. Dauert nicht mehr so lang und Produkttests benötigen ihre Zeit.

Derweil ziehe ich eine kleine Zwischenbilanz: Nach zwei Wochen stehe ich zwanzig Prozent über meinem selbst erklärtem Kilometerziel. Ein jeder Betriebswirtschaftler würde über 20 Prozent Plus jubeln, als gäbe es kein Morgen. Ich muss das aber etwas näher einordnen.

Im Offenen Team Gröbenzell bin ich nur Vierter, grob 100 Kilometer vor dem Fünften und ungefähr genauso weit weg vom Dritten. Das offene Team wiederum ist Vierter in der Gemeinde, wobei die drei Teams auf dem Treppchen deutlich mehr Radelnde um sich versammelt haben. Schaue ich aber auf den Durchschnitt, Kilometer pro Radelnder, ist das offene Team, na ja, nicht Vierter, sondern gerade mal in den Top Ten.

Gut, da sind auch Einzelteams dabei oder nur sehr kleine, das verzerrt es etwas. Es besteht jedenfalls Luft nach oben, tretet, was das Zeug hält, Team!

Ich bin dabei: Morgen geht wieder ins Büro, bis einschließlich Donnerstag. Und am Freitag, am nächsten Homeoffice-Tag, werde ich dann noch einen Termin mit Bergankunft haben. Samstag dann noch ausrollen und dann werden diese wunderbaren drei Wochen auch wieder Geschichte sein.

Stadtradelnkilometer bisher: 480,51

Gesamtkilometer bisher: 2.560,71

Isar-Runde – wie vor 30 Jahren

Wenn man den Mund so voll nimmt wie ich und behauptet, drei Wochen lang aufs Auto verzichten zu können, muss an manchen Tagen leiden.

Die Schwiegereltern wollten uns mal wieder sehen, das duldete auch keinen Aufschub. Zumal nächsten Sonntag – wenn ich auch wieder Auto fahren dürfte, wir mit dem Hofflohmarkt Gröbenzell-Süd verplant sind.

Jammern hilft nicht, auch keine Ausreden wie Magenverstimmung, Rückenschmerzen, Sommergrippe, sondern nur das Fahrrad. Sind zu den Schwiegereltern nach Garching 30 Kilometer. Nach Ismaning zum Inder noch mal drei und dann alles wieder zurück. Ich habe Zeit und bin halbwegs in Form, als geht es kurz nach zehn Uhr los.

Wie lange war ich schon nicht mehr mit dem Fahrrad in Garching? Das muss im Spätsommer oder Frühherbst 1997 gewesen sein, als ich nicht jeden Tag, aber im Sommer recht häufig mit dem Rad von Aubing nach Garching gefahren bin, wo ich am Walther-Meißner-Institut für Tieftemperaturphysik an meiner Diplomarbeit arbeitete.

Schon im Grundstudium, das wir noch in der Innenstadt rund um die Arcisstraße absolvierten, sind mein guter Freud und Studienkollege Claus von Aubing respektive Untermenzing im Sommer in die Uni gefahren. Ich hielt den Plan verrückt, ab Sommer 1993 auch nach Garching mit dem Rad zu fahren, aber Claus war zu der Zeit ein Biking-Ultra und fuhr auch mal zu einer Studentenparty im Bayerischen Wald mit dem Fahrrad. 

Wir suchten uns eine nette Strecke auf der Karte aus, über den Allacher Rangierbahnhof und den Lerchenauer See nach Feldmoching, dort über das Hasenbergl und das Korbinianhölzl zum Schloss Lustheim und über die Fröttmaninger Heide nach Garching Nord, zur TU und den angeschlossenen Instituten.

Ich war mir nicht sicher, ob ich den Weg heute so noch finden würde, außerdem lag das Ziel im Garchinger Süden. Optimal war die Strecke sicher nicht, die mir Apple Maps heraussuchte. Ich habe dann entgegen des Vorschlags noch ein Stück Rangierbahnhof mitgenommen, ehe es entlang der Triebstraße/Moosacher Straße/Frankfurter Ring ging. Am derzeit gesperrten Föhringer Ring dann nach Norden die Freisinger Landstraße entlang bis nach Garching. Ein meist gut ausgebauter Radweg, aber nicht unbedingt ein schöner.

Für den Rückweg erinnerte ich mich an entspannte Sommertage, an denen ich nicht den etwas kürzeren Weg beinahe parallel zur A99 nahm, sondern den etwas längeren und in der ersten Hälfte weit attraktiveren an der Isar entlang. Vor 30 Jahren legte ich öfter mal am Aumeister eine Trinkpause ein, das verkniff ich mir heute.

Zumal Regen drohte und tatsächlich auch fiel. Ich hatte Glück, dort wo ich fuhr war der Regen nicht lila, sondern eher erfrischend.

Mein Kilometerziel hatte ich schon zum Ende der zweiten Woche erreicht, jetzt bin ich nicht mehr weit von meinem persönlichen Stadtradlrekord entfernt. Morgen darf ich ja wieder ins Büro, die 15 Kilometer kommen mir jetzt beinahe wie eine Kurzstrecke vor.

Stadtradelnkilometer bisher: 480,51

Gesamtkilometer bisher: 2.561

Über den Berg nach Gilching

Morgens erst einmal mit dem Fahrrad die Runde gedreht, zum Bäcker, Metzger, Gemüsehändler und am Schluss zum Fischladen. Lachsforelle vom Grill wird es geben, dazu nur etwas Salat und Weißbrot.

Sonst keine Einkäufe mehr fällig, vom Rosé, den ich am Mittwoch mit dem Fahrrad geholt hatte, ist noch jede Menge da – passt hervorragend zum Fisch. Dann also noch eine kleine Runde mit dem Mountainbike. Der Wind weht aus Westen, so mache ich mich in Richtung Münchener Berg auf, diesmal von anderen Seite als bei der Eröffnungstour vor bald zwei Wochen.

Der für mich schönste Weg auf den Berg beginnt an der Kirche in Alling. Erst ist die Straße asphaltiert, ab dem Alpaka Beach geht es dann auf Schotter weiter und in den Wald. Der höchste Punkt, an dem der Funkturm steht, ist nach etwa anderthalb Kilometer erreicht, 58 Höhenmeter sind es bis hierher. Sind etwa vier Prozent durchschnittliche Steigung, das schaffe ich mit meinem Biobike noch ohne Probleme. 

Das war es dann aber noch nicht mit der Kletterei, nach einer kurzen Abfahrt geht es dann wieder etwas giftiger hoch nach Germannsberg. Dort habe ich die Wahl: Nach rechts in Richtung Biburg und über Fürstenfeldbruck und Emmering wieder heim? Oder nach links über Gilching, Germering und Puchheim?

Ich entscheide mich für letzteres. Die Abfahrt ist ziemlich steil und obwohl mir die breiten Reifen des Mountainbikes doch eine gewisse Sicherheit geben, ziehe ich recht lang die Bremsen.

Stadtradelnkilometer bisher: 408,11

Gesamtkilometer bisher: 2.488

Bergwertung bei Gegenwind

Eine Joggingrunde oder eine Fahrradtour beendet man besser nicht mit einem Schlussspurt. Das hat mehrere Gründe, einer davon ist aber die psychologische Falle, in die man tappen könnte. Denn am nächsten Tag erinnert sich der Körper an die immense Anstrengung und hat dann weniger Lust, wieder auf die Strecke zu gehen.

Das berücksichtige ich beim Radfahren. Schlussspurt ist im Wohngebiet ohnehin Tabu, aber auf den Freizeittouren schaue ich genau, von woher der Wind weht. Und die Richtung geht es dann. Das Ende der Tour ist ein lockeres Ausfahren mit Rückenwind, der Körper kommt ein wenig zur Ruhe und die Motivation leidet nicht. Die Profiradler, die ihre Rennen mit einem Schlussspurt beenden, fahren danach auch noch locker aus. Entweder lässig vom Zielort bergab ins Hotel oder auf Ergometern hinter der Zielankunft.

Beim Pendeln in die Stadt habe ich nicht die Wahl: “Ach, prima, heute Westwind, fahre ich nach Bruck oder gleich Mammendorf zum Arbeiten, dann wird die Heimfahrt entspannt. Äh, Moment …”. Wobei es auch Vorteile hat, dass der Wind meist aus Westen weht, die Fahrt in die Arbeit ist etwas entspannter als bei Ostwind. Zum Feierabend ist es beinahe egal, wie angestrengt ich am Ziel ankomme. Schlussspurt fällt aus bekannten Gründen ohnehin aus – und die Lust verliere ich so schnell nicht.

Manchmal muss man auch die Windrichtung bei Freizeittouren ignorieren. Am Ostersonntag hatte es wirklich heftigen Westwind, kein Vergleich zu den derzeitigen Wetterlagen. Aber der Olympiapark mit seinen blühenden Kirschen liegt nunmal östlich von uns. Die Hinfahrt war auch ein Traum, mit ordentlich Schub von hinten. Bereut haben wir es gewiss auch nicht, dass die Rückfahrt teilweise eine Qual war, insbesondere in den offenen Landschaften westlich des Untermenziger Friedhofs. Am meisten störte, dass auch hunderte andere Leute  die Idee mit den Kirschblüten hatten …

Ostersonntag 2026 am Fuße des Olympiabergs

Die im April so spektakulären Bäume, die von der Lerchenauer Straße aus den Hügel in Richtung Olympiaalm hochwachsen, sind im Juli weniger interessant. Habe ich heute nach der Arbeit überprüft. Ich dachte mir, wenn ich schon mal in der Nähe des Olympiaparks mit dem Mountainbike bin, dann könnte ich auch den hiesigen Monte Scherbelino hochstrampeln. Als ich noch ein Stück weiter östlich mein Büro hatte, jenseits des Petuelparks in Schwabing Nord, bin ich manchmal morgens auf dem Weg ins Büro über den Berg. Sind 35 Höhenmeter, die enorm Spaß machen, nicht nur, wenn die Kirschen blühen. 

Das Video, das ich mit am Lenker festgeklemmten iPhone im Sommer 2019 aufnahm, hat mir im Winter danach aber wenig gebracht. Ich hatte gehofft, in der dunklen Jahreszeit, in der ich nur selten zu Ausfahrten komme, könnte ich mit der Aufnahme vor Augen ein bisschen motivierter auf dem Ergometer im Keller strampeln. Das funktioniert aber nicht. Lieber noch ein wenig in Licht und reflektierender Schutzkleidung investieren und auch im Dezember und Januar draußen trainieren. Muss in der Jahreszeit ja nicht der Olympiaberg sein, die Olympialam hat dann auch geschlossen.

Stadtradelnkilometer bisher: 367,63

Gesamtkilometer bisher: 2.449