- Bald schöner als in Spanien

Im Frühsommer 2024 war mir nicht nach verreisen, schließlich war ich nach dem Unfall kurz vor Weihnachten 2023 noch in Physiotherapie. Der unterhalb des Kopfes gebrochene Oberarmknochen war zwar wieder verheilt, aber Muskeln und Sehnen noch lange nicht wieder in Form. Fahrradfahren ging wegen des gebrochenen Lendenwirbels auch erst wieder seit Mitte März, unter nachlassenden Schmerzen. In den Urlaub fliegen oder fahren, selbst wenn es mit der Bahn wäre? Im Spätsommer dann wieder.
Also eben Urlaub daheim, habe in den letzten Jahren auch viel Home-Office gemacht, warum nicht auch die Freizeit in den eigenen vier Wänden verbringen und insbesondere in der Gegend rundherum. Da gibt es sehr viel Gegend, sie sich anzuschauen lohnt, auch gerne wieder auf längeren Radtouren.
Wenn das Wetter passt, der Biergarten schattig ist und die Mass kühl, vermisst man wenig. Selbst die Würm lässt einen Hauch von Meer erahnen.
Ich brauch keinen Urlaub in Spanien
Genieß es hier im Schatten von Kastanien
Muss nicht fliegen nach Valencia
Denn ich bin mit dem Rad schnell daStell mich nicht in den Stau gen Italien
Bekomm auch hier mediterrane Fressalien
Vermisse nicht einmal den Chianti-Wein
Der aus Franken schmeckt auch recht feinNe Reise nach Hamburg, die ist kein Muss
Denn die Würm ist auch ein hübscher Fluss
Ja, sicher, die ist nicht dasselbe
Wie die breite, tiefe ElbeDoch rieche ich am Wehr ihre sanfte Gischt
Hat mich das Meer olfaktorisch voll erwischtBei Maisach blühte gestern rot der Klee
Heute radle ich an den Ammersee
Vor Eching brennen mir die Waden
Werd daher im See kühl badenUnd noch vor der Heimkehr
geht es in die Aubinger Einkehr
Unter hiesigen Kastanien
Ist’s bald schöner als in SpanienNe Reise nach Paris, die ist kein Muss
Denn die Würm ist auch ein hübscher Fluss
Ja, das habe schon gesehen
Dieser Bach ist nicht die SeineDoch rieche ich am Wehr ihre sanfte Gischt
Hat mich das Meer olfaktorisch voll erwischtWird der Sommer wird heiß und nass
Hab ich dennoch meinen Spaß - Cold Drink Heart

An Hitzetagen ist es ratsam, viel zu trinken. Keinen Alkohol, natürlich. Obwohl, vielleicht abends im Biergarten oder auf der schattigen Terrasse daheim. Tagsüber bietet sich lauwarmer Tee an, Pfefferminze oder Ingwer-Zitrone. Denn eiskalte Drinks können in einem überhitzen Körper das Herz zum Vorhofflimmern bringen.
Das ist kein Hirngespinst meinerseits, sondern Wissenschaft. Meist trifft es Personen, die ohnehin gelegentlich über Vorhofflimmern (Atrial Fibrillation oder kurz AFib) klagen. Nach dem Genuss eiskalter Speisen oder Getränke können die Beschwerden verstärkt auftreten – Cold Drink Heart eben.
Mich erinnert das an ein anderes kardiologisches Phänomen im Zusammenhang mit Speisen: das Broken Heart Syndrome, das etwa Wasabi oder Chili auslösen können.
Da frage ich mich natürlich, ob die beiden Phänomene nicht zusammenhängen. Können gebrochene Herzen durch einen Trigger wie eiskaltem Wasser oder einer unseligen Begegnung Vorhofflimmern bekommen?
Der Erzähler dieses Songs ist davon offenbar überzeugt:
We had good times, don’t you know
She was the one who decided to go
I was shocked and deeply hurt
‚cause she left without a word
no last kiss, not even a talk
no last dance, and no last walkTime by time I see her walking by
Can’t avoid it, I’m gonna cry
and then my heart misses a beat
and I got swept off my feet
my blood pressure is on the rise
like a rocket in disguiseWhen the doctor wants to see me
That’s where I should be
checking my general condition
and my terrible vision
I knew it from the start
I got a cold drink heart
when blood freezes the vein
I’ll get afib againDoctor said: get rid of pain’s source
with all of your remaining force
Kill what causes your pain
But I’d tell him never her name
Doctor, pour me a magic drop
So this nightmare could stopWhen the doctor wants to see me
That’s where I should be
checking my condition
and my terrible vision
I knew it from the start
I got a cold drink heart
when blood freezes the vein
I’ll get afib againI was working outside all day long
and it was so damn hot
and when I finally got back home
you may believe it or not
when I had an ice cold drink
bent over the kitchen sink
was so refreshing but then
I got my afib againWhen the doctor wants to see me
That’s where I should be
checking my condition
and my terrible vision
I knew it from the start
I got a cold drink heart
when blood freezes the vein
I’ll get afib againKaltgetränkherz
Wir hatten schöne Zeiten, nicht wahr?
Sie war diejenige, die sich entschlossen hat zu gehen
Ich war schockiert und zutiefst verletzt
denn sie ging, ohne ein Wort zu sagen
kein letzter Kuss, nicht einmal ein Gespräch
kein letzter Tanz und kein letzter SpaziergangHin und wieder sehe ich sie vorbeigehen,
ich kann es nicht vermeiden, mir kommen die Tränen,
und dann setzt mein Herz einen Schlag aus,
und ich bin wie vom Blitz getroffen,
mein Blutdruck steigt,
wie eine getarnte Rakete.Wenn der Arzt mich sehen will,
dann sollte ich dort sein,
um meinen Allgemeinzustand zu überprüfen
und meine furchtbare Sehkraft.
Ich wusste es von Anfang an:
Ich habe ein eiskaltes Herz,
wenn das Blut in den Adern gefriert,
Ich werde wieder Vorhofflimmern bekommenDer Arzt sagte: Beseitige die Quelle des Schmerzes
mit all deiner verbleibenden Kraft
Töte, was deinen Schmerz verursacht
Aber ich würde ihm niemals ihren Namen nennen
Doktor, gib mir einen magischen Tropfen
Damit dieser Albtraum endlich aufhörtWenn der Arzt mich sehen will
Dann sollte ich dort sein
Um meinen Zustand zu überprüfen
Und meine schreckliche Sehkraft
Ich wusste es von Anfang an
Ich habe ein Herz wie ein kaltes Getränk
wenn das Blut in den Adern gefriert
bekomme ich wieder VorhofflimmernIch habe den ganzen Tag draußen gearbeitet
und es war so verdammt heiß
und als ich endlich wieder zu Hause war
ob du es glaubst oder nicht
als ich ein eiskaltes Getränk trank
über das Spülbecken gebeugt
war das so erfrischend, aber dann
bekam ich wieder mein VorhofflimmernWenn der Arzt mich sehen will,
dann sollte ich dort sein,
um meinen Gesundheitszustand
und meine schlechte Sehkraft zu überprüfen.
Ich wusste es von Anfang an:
Ich habe ein Herz wie ein kaltes Getränk –
wenn das Blut in den Adern gefriert,
bekomme ich wieder Vorhofflimmern. - Durststrecke

Die Deutsche Eiche in Lochhausen hat wiedereröffnet. „Soft Opening“ nennen die Pächter die Phase vom 18. bis 31. Juli, erst am 1. August erfolgt der offizielle Startschuss. Man wolle die zwei Wochen nutzen, um die Abläufe zu erproben und aus etwaigen Fehlern zu lernen. Ich würde das Beta-Phase nennen und obwohl man mit Betas immer sehr vorsichtig sein sollte, musste ich natürlich an dem Test teilnehmen und gegebenenfalls Feedback geben. Kurz: Es hat mir gefallen.
Die Deutsche Eiche kenne ich im Prinzip seitdem ich denken kann. Als Biergarten oder Gartenrestaurant – mal konnte man seine Brotzeit selbst mitbringen oder an der Theke sich einen Wurstsalat oder eine Schweinshaxen kaufen und natürlich die ein oder andere Mass und mal nicht. Meistens waren die Tische im Garten bedient, im Haus erst recht.
Dort gab es – und gibt es noch immer – eine große Stube mit einigen Nischen und mehrere kleine Nebenräume für Feste aller Art. Schöne, wie dem 60sten meines Cousins im Jahr 2009 und weniger schöne wie die Trauerfeier für meinen Vater, etwa 17 Jahre davor.
Lange Jahre bewirtete eine in Lochhausen ansässige Gastronomenfamile das Haus, manchmal auch die Metzgerei nebenan und dazu die Waldgaststätte in der Aubinger Lohe, die in ihren besten Zeiten weit mehr Biergarten als Gartenrestaurant war und sich heute als recht hochpreisiges Slow-Food-Restaurant ausprobiert – muss ich mir mal genauer ansehen. Aber nicht, wenn ich einen Biergarten suche.
Sprich: In meiner Kindheit, Jugend und auch noch im Erwachsenenalter war die Deutsche Eiche schwer angesagt. In den letzten Jahren oder gar Jahrzehnten war die Deutsche Eiche aber immer wieder mal schwer abgesagt. Die Gründe dafür sind mir nicht bekannt, aber mal waren es notwendige Renovierungen, die das Geschäft schwer machten, dann wieder rasche Pächterwechsel nach einer lange Phase der Kontinuität. Die Pandemie hat einem Betrieb, der zu hohen Feiertagen wie Weihnachten Schichtbetrieb hatte, um allen Nachfragen gerecht zu werden, auch nicht geholfen.
Das zuletzt gescheiterte Konzept hat mir eigentlich gefallen. Ein neuer Name, zumindest für den Restaurantbetrieb: Eichenschlössl. Eine für bayerische Biergärten teils ambitionierte Speisenkarte mit einem verdammt leckeren Ziegenkäse-Burger. Eine hohe Qualität der Speisen – wann bekommt man schon frisch aus Kartoffeln geschnittene und alsbald frittierte Pommes Frittes als Beilage? Und das zu Preisen, die eben nicht zu Slow Food passen, sondern eher zu dem Nachbarschaftstreff mehrerer Stadtteile und Vorortgemeinden, der die Eiche schon immer war? Kann nur schief gehen, aber hinterher ist man immer klüger.
Jetzt gewissermaßen zurück zum Ursprung. Die Speisenkarte bisher übersichtlich, nicht ohne Ambition, aber noch zurückhaltend und traditionell. Portionen angemessen bis groß, die Qualität ordentlich bis hoch, mehr kann ich nach der kurzen Stichprobe nicht sagen. Nur die Pommes Frittes … nun gut, das nächste Mal nehme ich den Kartoffelsalat , der sah sehr gut aus. Die Preise moderat, da bestellt man gerne noch eine weitere Halbe, wenn es nicht mehr allzu weit nach Hause ist.
Genau das gibt mir die Deutsche Eiche: Es ist nicht mehr weit nach Hause. Nach einer Radltour, die ich bewusst als Durststrecke angelegt hatte, mir aber die vorzeitige Einkehr verkniff. Vorbei am Gustl im Gut Freiham, weiter nach Gräfeling. Habe nicht in Lochham vorbei geschaut, ob dort die Einkehr wieder auf hat, an der Aubinger Einkehr war ich weit vorbei geradelt. Stattdessen an der Wurm entlang durch den Pasinger Stadtpark bis zur Inselmühle.
Dort seufzend einen Schluck aus der Teeflasche genommen und die Gattin angefunkt, dass ich mir hier jetzt keine Halbe kaufe, sondern in einer Viertelstunde in der Eiche aufschlagen würde. Gerade rechtzeitig, denn diese Fahrt war eine wahre Durststrecke:

Screenshot - Busse und Bahnen stehen still

Der Autofahrer, der den mit Warnblinkern abgestellten Bus zu passieren gedachte, konnte mich nicht hören. Ich murmelte auch eher selbst vor mich hin „Wage es nicht!“ – und da ich von hinten ein weiteres Fahrzeug sich nähern hörte, das sich in meinen schlimmsten Vorstellung zwischen dem Bus und mir vorbei quetschen würde, murmelte ich noch ein „Und du auch nicht!“ hinterher.
Ob es geholfen hat, ist einerlei, der erste Autofahrer sah mich kommen – unmittelbar vor meinem Stoßmurmler hatte ich in der Allee vor dem Obermenzinger Campingplatz das Licht eingeschaltet – und sah von seinem Manöver ab, der zweite wartete die Passage am Bus und der kurzen Schlange dahinter ab und überholte mich erst dann mit gebührendem Abstand, noch vor der Ampel. An der stand, ebenso in Gegenrichtung, ein weiterer Bus mit Warnleuchten. Dann war mir wieder klar, dass es 17.51 Uhr sein musste.
München stand eine Minute still, zumindest Busse und Bahnen und die Teilnehmer der Gedenkveranstaltung am Olympia Einkaufszentrum (OEZ), wo exakt zehn Jahr zuvor zu dieser Uhrzeit ein Rassist neun migrantisch gelesene Menschen erschoss und wenig später sich selbst. Ganz München stand still, nur nicht der Autoverkehr und nicht einmal der Radler, der es an sich hätte wissen müssen.
Dabei hatte ich für den Heimweg aus dem Büro noch eine etwas längere Route ausgewählt, weit am Gedenkort vorbei, um etwaigen Verkehrsbehinderungen zu entgehen. Vor zehn Jahren war ich auch am OBC vorbei geradelt, vom damals in der Parkstadt Schwabing gelegenen Büro. Ich hatte, da es Freitag war und die Arbeit der Woche längst getan, halbwegs pünktlich Schluss gemacht und war fast zwei Stunden vor den Schüssen fast einen Kilometer davon entfernt unterwegs. Es hatte auch gerade zu nieseln begonnen, stärkere Niederschläge nicht ausgeschlossen, so beeilte ich mich ein wenig.
Die Niederschläge kamen dann, als ich längst daheim war. Und die beunruhigenden Nachrichten wie Tiefschläge auf das iPhone. Unklare Lage. Panik. Stadt voller Polizei. Schüsse. Tote. Terror. Islamismus? Alle Busse und Bahnen stehen still, auf den Ein- und Ausfallstraßen stoppt die Polizei Autos und wohl auch Radfahrer – weiß ich nicht, ich war ja schon daheim.
Eine sonst so gelassene Stadt war urplötzlich in Panik geraten und auch dann noch lahm gelegt, als sich der rassistische Einzeltäter eine Kugel in den Kopf gejagt hatte. Das war sogar noch vor Social Media, erklärte der damalige Sprecher der Münchener Polizei Marcus da Gloria Martins letztens der SZ. Seine Erklärung für das Verbreiten der Massenpanik: Whatsapp, was man an sich beinahe als Social App bezeichnen könnte.
In meiner Erinnerung haben die „neuen Medien“, seien sie Websites und ihre Liveticker, Social Media oder was auch immer, an jenem Abend mehr oder minder versagt. Einerseits waren die Seiten unter der großen Last teilweise gar nicht mehr erreichbar, andererseits ergingen sie sich in wüsten Spekulationen. Nur die seriöseren unter ihnen bezeichneten diese Ungewissheiten auch als solche.
Die besten Informationen hatte das Radio, speziell der Bayerische Rundfunk. Wie es der Zufall wollte, war Richard Gutjahr in der Nähe und konnte akkurat und live über die Geschehnisse berichten. Und bei einem UKW- oder DAB+-Sender ist es egal, wie viele Leute gleichzeitig das Endgerät eingeschaltet haben, da bricht kein Stream zusammen. Nur manchmal die Telefonverbindung des Reporters zum Funkhaus.
Dass Gutjahr, der zufällig auch ein gutes Jahr zuvor beim Attentat von Nizza in der Gegend war zum Opfer widerlicher, rechtsnationaler Hetze in den asozialen Medien wurde und sein Funkhaus ihn nur unzureichend vor den Angriffen dummer und bösartiger Menschen schützte, sollte man auch nicht vergessen.
Ebenso wenig wie man vergisst, wo man zu solchen Daten wie dem 22. Juli 2016 um 17.51 Uhr war. Der Kollege Matthias Lange konnte die halbe Nacht nicht wieder raus aus der Stadt, fand aber, wie so viele an jedem Abend, Menschen, die nicht vergaßen, was unsere Spezies eigentlich ausmacht. Menschen, die solidarisch waren. Menschen, die anderen Zuflucht gewährten. Menschen, die Ängstliche trösteten.
So sehr es heute immer noch verstört, wie lange die Behörden in Bayern brauchten, um den rassistischen Anschlag am OEZ als solchen zu benennen, so sehr geben einige Geschichten des 22. Juli 2016 Hoffnung, dass noch nicht alles zu spät ist.
- Schluss, aus, vorbei – und weiter geht’s

Drei Wochen Stadradeln neigen sich dem Ende entgegen. Ein letztes Mal noch zum Supermarkt geradelt, davor Altglas und Weißblech in die Fahrradtaschen gepackt und diese am kleinen Wertstoffhof geleert. Beim Bäcker und Metzger war ich wie üblich schon vor dem Frühstück gewesen.
Ab morgen wird dann wieder sinnlos Benzin verbrannt und ich fahre sogar die 200 Meter zum Briefkasten mit dem Auto. Nein, natürlich nicht.
Ich hatte es eingangs schon geschrieben: Ich fahre ohnehin schon viel mit dem Fahrrad und lasse das Auto meist stehen, insbesondere in den Sommermonaten. Für einige Erledigungen ist das Auto mindestens praktisch, wenn nicht sogar notwendig. Andererseits: Ich war mit dem Fahrrad mal wieder in Garching, hätte ich vermutlich sonst nicht gemacht. Das Wetter kam mir in den drei Wochen auch sehr entgegen, an nur einem Tag hat es heftig geschüttet, ich konnte dann aber im Homeoffice arbeiten.
An solchen Tagen ist das Auto natürlich verlockend, zumal ich schon patschnass an der S-Bahn angekommen wäre und die 700 Meter von der U-Bahn bis zum Büro hätten es noch schlimmer gemacht. Aber warum bei der nächsten Gelegenheit einfach nass werden? Ich habe wasserdichte Fahrradtaschen und könnte in der Umkleide im Büro in trockene Sachen schlüpfen. Nur bei Gewitter fahre ich höchst ungern.
Nächste Woche werde ich vielleicht wieder mehr als die zwei Flaschen Wein kaufen, die ich gefahrlos in der Tasche auf dem Rad transportieren kann. In die die Tasche passt ein kompletter Karton, wie ich festgestellt habe. Aus Gründen der Balance wäre es ohnehin klüger, beide Taschen gleich schwer zu befüllen.
Ja, wenn die Gartensäcke mal wieder voll sind, werde ich doch das Auto nehmen, bevor ich mir ein Lastenrad leihe. Es sieht aber ganz danach aus, dass ich in diesem Jahr wieder mehr Kilometer auf dem Fahrrad zurücklege als ich hinter dem Steuer sitze.
Stadtradelnkilometer 2026: 660,45
Gesamtkilometer 2026 bisher: 2.737
- Schnell von Haidhausen auf den Berg

Die letzten Höhenmeter schiebe ich das Rad. Kopfsteinpflaster, recht glatt, und das Bürorad ist nicht das optimale Gefährt dafür. Noch dazu sind die Kopfsteinpflaster der letzten zehn Höhenmeter auf den Olympiaberg als Fußwege ausgewiesen. Auf denen fahre ich nur im absoluten Notfall und auch nur dann, wenn ich keine Fußgänger dabei belästige.
Der Olympiaberg – etwa 40 Höhenmeter auf dem Rad und dann eben noch mal zehn zu Fuß neben dem Rad – ist schon der zweite Berg auf dieser Tour. Der erste war der Giesinger Berg, von der Corneliusbürcke kommend, am Mariahilfplatz vorbei die Gebsattelstraße hoch. Angenehm wenig los und obwohl es sich hier nur um einen Schutzstreifen handelt, ist der breit genug, dass mich der E-Biker gefahrlos bergauf überholen konnte.
Natürlich werde ich nicht fürs Radeln bezahlt, mein Beruf bringt es aber mit sich, dass ich manchmal zu einem Pressebriefing darf oder muss, wo Hersteller und die von ihnen beauftragten Agenturen Produkte vorstellen oder gar demonstrieren. Die Reise dahin ist Arbeitszeit, sofern man nicht in einem ICE sitzt oder im Fond eines Dienstwagens, wo man dann noch arbeiten könnte. Dienstwagen mit Chaffeur habe und brauche ich nicht, ICE verkehrt keiner von Gröbenzell nach Haidhausen. Also mit dem Rad auf den Weg gemacht: Mein Einsatz galt heute dem smarten Fernglas Envision des französischen Herstellers Unistellar. Vor zwei Jahren hatte ich deren Teleskop Odyssee schon mal testen dürfen.
Die Demonstration des Envision sollte auf dem Olympiaberg passieren, von dort hat man eine wunderbare 360-Grad-Sicht auf die Stadt und was alles dahinter liegt – die Chiemgauer Alpen zum Beispiel. Der Trick des Envision, den ich auch schon mal näher erläutert habe: Im Sichtfeld blendet das Fernglas Informationen über die Landmarken, Gebäude und Objekte ein, die da zu sehen sind. Ist alles noch in Vorserie, ich werde zu gegebener Zeit über das finale Produkt berichten.
Darum geht es hier auch nicht, sondern um das Stadtradeln. Als die Einladung zu Präsentation und Demonstration kam, zögerte ich keinen Moment mit der Zusage. Den Olympiaberg könnte ich zur Not zu Fuß vom Büro aus erreichen und mit dem Radl ganz locker in wenigen Minuten. Nur war die vorherige Präsentation in den Räumen einer Agentur in Haidhausen angesetzt, in der St-Martin-Straße, Ecke Balanstraße.
Ist von Gröbenzell aus eine Strecke von etwa 24 Kilometern. Ich habe dennoch eine Stunde und 45 Minuten dafür gebraucht, es geht schließlich mitten durch die Stadt. Dort finden sich immer mehr gut ausgebaute Radwege, von denen ich zu meinen Studienzeiten noch nicht einmal zu träumen wagte, aber eben auch jede Menge Ampeln, die ich – anders als mancher Radler auf der Strecke – nicht ignoriere.
War wieder eine angenehme Fahrt bei sommerlichen Temperaturen, ich hatte mich schon Ende April bei nur wenigen Grad weniger die Gebsattelstraße hochgequält, um oben an der Kuppe in Richtung Paulaner Biergarten abzubiegen. Dieses Mal also geradeaus, durch die Au nach Haidhausen und nach der kurzen Präsentation des Produkts wieder aufgesessen und in Richtung Olympiapark geradelt. Balanstraße, Rosenheimer Straße, am Gasteig vorbei über die Ludwigsbrücke auf den Altstadtring – feine Radwege, die bei der Abfahrt die Mühen des Aufstiegs belohnen.
An der Staatskanzlei dann in Richtung Hofgarten abgebogen, über Karolinenplatz und Königsplatz in die Maxvorstadt. Dort dann über de Görrestraße zur Schleißheimer und links in die Karl-Theodor-Straße abgebogen – da sehe ich ihn auch schon, den Monte Scherbelino.
Ich bin sogar fünf Minuten vor den Kollegen da, die von Haidhausen aus ein Taxi nahmen, das aber meist im Stau stand.
An Tagen wie diesen (ja, die Toten Hosen haben gestern und vorgestern am Fuß des Olympiabergs musiziert) ist Radfahren auch in der Stadt ein Traum. Freilich kenne ich hier auch schwierigere Verkehrs- und Wetterlagen, aber je mehr Wege ich mit dem Rad zurücklege umso weniger Lust habe ich noch, mit dem Auto zu fahren. An der St.-Martin-Straße hätte ich eh keinen Parkplatz bekommen und die Olympiaparkharfe ist so weit vom Berg entfernt, dass sich für diese letzte Meile schon beinahe ein Leihfahrrad gelohnt hätte.
Stadtradelnkilometer 2026 bisher: 615,8
Gesamtkilometer 2026 bisher: 2.712
- Der Verbrenner ist nicht allein das Problem

Ich frage mich manchmal, warum man von Kraftfahrzeugen spricht. Die meiste Zeit stehen sie herum, nicht alle in einer Garage, auf einem festen Stellplatz oder dem Firmenparkplatz, sondern auf öffentlichem Grund, also dem Straßenrand. Das macht manche Straßen zu De-Facto-Einbahnstraßen, denn an den links wie rechts parkenden Autos kommt kein Auto an einem Radler vorbei, geschweige denn zwei Autos aneinander im Begegnungsverkehr.
In einer Einbahnstraße in Lochhausen schließlich geht gar nichts mit überholen, wenn ich da mit dem Radl unterwegs bin. Nicht einmal, wenn ich mit den Reifen am rechten Bordstein entlang schleifen würde, anstatt die geforderten 80 cm Abstand einzuhalten. Klar, nach der Engstelle werden die Autofahrer ungeduldig, und wollen noch schnell vor der Kurve überholen. Aber wenn da schon etwas entgegen kommt, dann bricht man das Überholmanöver nicht ab, sondern kommt dem Radler nahe, sehr nahe. Ich schätze, das waren heute eher 15 cm als die geforderten 1,5 m.
Ob der Fahrer meine Geste verstanden hat, so er sie im Rückspiegel noch sah? Den Mittelfinger bestimmt, den Scheibenwischer auch, aber die Geste mit dem drei Zentimeter über dem Daumen gehaltenen Zeigefinger? “So knapp!” drücke ich damit aus, nehme aber in Kauf, dass der Fahrer (Gendern bewusst vermieden) das auch anders interpretieren könnte.
Das mutmaßliche Kompensationsobjekt, das mich so knapp überholte und damit massiv gefährdete, war ein schwarzer Tesla. Womit mal wieder bewiesen wäre: Auch in Elektrofahrzeugen sitzen Menschen, die charakterlich nicht in der Lage sind, am Straßenverkehr teilzunehmen. Das hängt gewiss nicht von der Marke ab, ein Aufkleber “I bought this, before Elon went crazy” würde da auch nicht helfen.
Bitte keine Missverständnisse: Mir gefallen Elektroautos und Tesla hat mit seinen Fahrzeugen gezeigt, dass die Dinger auch schön und cool sein können, weswegen dem Verbrenner niemand eine Träne wird hinterher weinen müssen. Aber auch sie können Radfahrer wie Fußgänger gefährden und stehen meist nutzlos in der Gegend herum.
Der Elektromotor ist dem Verbrenner bei Weitem überlegen, was die Effizienz betrifft. Das Fahrvergnügen leidet auch nicht, ganz im Gegenteil, es ist ein großer Spaß, wenn das volle Drehmoment der Maschine sofort zur Verfügung steht und nicht erst bei hohen Drehzahlen. Das Problem der Reichweite ist mittlerweile auch kein großes mehr, hat aber zu Beginn des Automobilzeitalters dem schon damals überlegenen Elektromotor vorerst den Garaus gemacht. Benzin und Diesel haben nun mal eine sehr hohe Energiedichte und sind für längere Strecken weit einfacher mitzunehmen als Elektrospeicher.
Wenn es zur Jahrhundertwende von 19ten zum 20sten schon Lithium-Eisen-Phosphat-Akkus gegeben hätte, wäre die Sache anders ausgegangen. Erzählungen über Bertha Benz, die bei ihrer ersten Ausfahrt den Treibstoff in der Apotheke kaufen musste, würden die Menschen heute mit Kopfschütteln hinnehmen: “Hatten die keine induktiven Fahrbahnen oder wenigstens Ladesäulen?”
Der Verbrenner hat keine Zukunft, ich fürchte aber, dass die Elektrofahrzeuge, die in zehn oder zwanzig Jahren die überwiegende Mehrheit auf den Straßen stellen, noch breiter, noch länger, noch höher als heute sein werden. Wegen der Reichweitenangst und dem daraus folgenden Bedarf an großen und noch größeren Akkus. Wegen der irren Idee, dass nur viel Leistung viel hilft. Wegen der Bequemlichkeit in großen Fahrgasträumen. Keine guten Aussichten für Radler.
Ich versuche daher, Autostraßen zu vermeiden, das gelingt leider nicht immer. Vom Büro nach Hause bin ich dann aber durch das Kapuzinerhölzl und später die Aubinger Lohe gefahren. So schön, ohne Autos.
Stadtradelnkilometer 2026 bisher: 581,63
Gesamtkilometer 2026 bisher: 2.660
- Petrichor

Ich bin zu spät aufgestanden, als dass ich Petrichor auf dem Weg ins Büro hätte riechen können. Obwohl, eigentlich war es andersherum: Der Regen hatte am Mittwochmorgen zu früh eingesetzt, um mich auf dem Rad mit dem Geruch von frisch gefallenem Regen auf trockene Erde zu verwöhnen. Manchmal gibt es neben den beiden offensichtlichen Polen noch eine dritte Möglichkeit: Der Boden war noch nicht wieder trocken genug für Petrichor.
So nennt man jenen Geruch, der entsteht, wenn Regen erst zaghaft nach einer längeren Trockenperiode fällt. Es sind Öle von Pflanzensamen, die sich insbesondere auf Steinboden während längerer Phasen ohne Regen angesammelt haben und die sich in Aerosole auflösen, wenn es endlich wieder nieselt, tröpfelt, regnet und schließlich schüttet.
Auf meinem Heimweg am Sonntag von Garching hatte ich zeitweise diesen Geruch in der Nase, der Erlösung verheißt: Das Ende der Trockenphase, die lang erwartete Abkühlung, die natürliche Reinigung staubiger Straßen und Wege. Petrichor sollte für den Radler aber auch Warnung sein.
Denn es liegen auf trockenen Straßen nicht nur feine Ölfilme, die sich alsbald auflösen, sondern auch Blütenpollen, Blätter oder andere organische Hinterlassenschaften. Die werden gerne schmierig und besonders in Kurven ist Achtsamkeit erfordert, um nicht auf dem nassen Blütenstaub wegzurutschen.
Als Sicherheitsbeauftragter habe ich gelernt, dass man auch Beinaheunfälle melden soll, damit potenzielle Gefahrenquellen beseitigt werden können oder die Vorsicht in bestimmten Situationen an bestimmten Orten die Regie über das Handeln übernimmt.
In einer Ecke der Gemeinde Gröbenzell bin ich bei nasser Straße mal in der Kurve auf einem solchen organischen Film weggerutscht. Ich weiß nicht mehr, wie es mir gelang, das Fahrrad wieder ins Gleichgewicht zu bringen ohne dass es mich abgeworfen hätte, aber dafür musste ich den Gegenverkehr kreuzen, in dem sich eben ein Lieferwagen meiner Beinaheunfallstelle näherte.
Mein Glück: Es handelte sich um einen verkehrsberuhigten Bereich, in den ich nicht wirklich einbog, sondern in den ich schlitterte. Der Lieferwagen war indes nur mit Schrittgeschwindigkeit unterwegs, so wie es sich gehört. Schrittgeschwindigkeit bedeutet übrigens nicht das Tempo, in dem Usain Bolt bei seinem 100-Meter-Weltrekord im Berliner Olympiastadion die Ziellinie überschritt, sondern höchstens 5 bis 8 km/h. Vermutlich musste der Lieferwagenfahrer nicht mal auf die Bremse tippen, sondern sie nur anhauchen, um binnen Zentimetern zum Halt zu kommen. Selbst bei einem Sturz wäre ich mit dem Fahrzeug nicht kollidiert.
Mir blieb nach Stabilisierung des Rades nur noch, die Hand zum Dank zu heben, mich am Lieferwagen vorbei zu quetschen und den Rest der verkehrsberuhigten Straße langsam entlang zu rollen. Seither bremse ich an der Ecke, an der der Baum, auf dessen Hinterlassenschaften ich beinahe verunfallt wäre zum Glück immer noch steht, bevor ich in die Straße einbiege. Selbst dann, wenn es trocken und keine Spur von Petrichor in der Luft ist.
Stadtradelnkilometer bisher: 545,15
Gesamtkilometer bisher: 2.624
- Lieber einmal mehr bremsen

Der Rückweg von der Arbeit führt mich über den Radweg an der Von-Kahr-Straße, die ab der Kreuzung zur Eversbuschstraße schließlich Mühlangerstraße heißt. Gegenüber ist die Inselmühle, einer der schönsten Biergärten westlich der Isar. Nutze ich gerne für eine Einkehr (siehe Bild), aber nicht auf jedem Heimweg.
Die Ecke hat es aber für den stadtauswärts führenden Radverkehr in sich. Zum einen halten zwei Buslinien an dieser Ecke: Wer aus dem Bus aussteigt, steht direkt auf dem Radweg, wer rein will, muss ihn kreuzen. Für mich selbstverständlich, lasse ich die ÖPNV-Nutzer ein- und aussteigen oder fahre sehr vorsichtig am anhaltenden Bus vorbei, solange dessen Türen noch geschlossen sind und von rechts keine Fahrgäste auf meine Bahn treten.
Ein paar Meter weiter westlich wird es kompliziert, die Von-Kahr hat eine Rechtsabbiegerspur in die Eversbusch und gegenüber führt eine Linksabbiegerspur nach Norden. Meistens halten sich die Autofahrer an die Regeln und lassen den Gegenverkehr durch, bevor sie links abbiegen oder die Fußgänger und Radler erst einmal über die grüne Ampel, bevor sie links oder rechts abbiegen.
Aber hier wird es für Radler schwierig. Denn einige Autofahrer sind offenbar der Meinung, wenn die Fußgängerampel rot zeigt, muss auch der Radler bremsen – und wenn es ihn dabei überschlägt.
Ist mir nicht heute passiert, aber an der Ecke oft genug. Reflektiert wie ich bin, habe ich nach so einem Vorfall, als mich der Autofahrer, der mich beinahe auf die Motorhaube genommen hatte auch noch beschimpfte, es sei ja rot, mal in der Straßenverkehrsordnung geblättert. Na gut, ich habe gegoogelt.
Das Ergebnis der Suche: StVO, §37, Abs. 6:
Wer ein Rad fährt, hat die Lichtzeichen für den Fahrverkehr zu beachten. Davon abweichend sind auf Radverkehrsführungen die besonderen Lichtzeichen für den Radverkehr zu beachten. An Lichtzeichenanlagen mit Radverkehrsführungen ohne besondere Lichtzeichen für Rad Fahrende müssen Rad Fahrende bis zum 31. Dezember 2016 weiterhin die Lichtzeichen für zu Fuß Gehende beachten, soweit eine Radfahrerfurt an eine Fußgängerfurt grenzt.
Sprich: Für mich gilt die “Autoampel”. Die war ebenso grün wie für den Autofahrer. Vollkommen egal, dass die Fußgängerampel schon rot zeigt. Falls dort eine Ampel mit einem Symbol sowohl für Fußgänger als auch für Radfahrer montiert wäre, hätte die für mich gegolten und der schimpfende Autofahrer wäre im Recht gewesen. Aber an der Stelle – möge bitte ein jeder selbst überprüfen – ist die Ampel in Ost-West-Richtung eindeutig für Fußgänger und nicht auch für Radler. Also halte ich mich an die Lichtzeichen für den Fahrverkehr.
Ich bin dennoch vorgewarnt, ich habe keine Lust, dass jemand auf meinen Grabstein meißelt “Laut §37 Abs. 6 StVO war er im Recht”.
Gerne könnt Ihr dem nächsten unverschämten Autofahrer in einer solchen Situation entgegen schleudern: “§37, Absatz 6!” Aber bitte genau bleiben, denn der Paragraph 27 regelt im sechsten Absatz die Überquerung von Brücken:
Auf Brücken darf nicht im Gleichschritt marschiert werden.
Das hat physikalische Hintergründe (Resonanz), die auch gerne noch Fahrschulen vermitteln könnten, obwohl diese spezielle Regel für Auto- und Motorradfahrer eher irrelevant ist.
Ich habe aber immer wieder mal das Gefühl, dass einige Autofahrer ihren Führerschein in der Haferflockenpackung gefunden haben. Besonders diejenigen, die Radler laut ausschimpfen.
Stadtradelnkilometer bisher: 513,48
Gesamtkilometer bisher: 2.593
- Vier gewinnt

So ein Ruhetag ist notwendig, die Isar-Runde am Sonntag war anstrengend. Und so lange ich noch einen oder zwei Tage in der Woche im Homeoffice arbeiten darf, nutze ich das aus. Ein paar Sachen kann ich dann konzentrierter angehen, andere wären im Großraumbüro nur schwer machbar. Etwa eine Diktiersoftware zu testen oder ein Carplay-Nachrüstset, denn das muss ich im Auto ausprobieren.
Oh, da darf ich ja gar nicht rein! Obwohl: In dem Fall wäre es den Bedingungen des Stadtradelns zufolge sicher noch erlaubt gewesen. Aber ich habe mir besser im Wohnzimmer zunächst angesehen, wie sich das iPhone per Carplay mit dem System verbinden lässt, wie der Bildschirm so aussieht, welche Befestigungsmethoden gegeben sind und wie das mit der Rückfahrkamera ist. Nach Ende des Stadtradelns werde ich das System dann im Auto installieren und weitere Tests vornehmen. Dauert nicht mehr so lang und Produkttests benötigen ihre Zeit.
Derweil ziehe ich eine kleine Zwischenbilanz: Nach zwei Wochen stehe ich zwanzig Prozent über meinem selbst erklärtem Kilometerziel. Ein jeder Betriebswirtschaftler würde über 20 Prozent Plus jubeln, als gäbe es kein Morgen. Ich muss das aber etwas näher einordnen.
Im Offenen Team Gröbenzell bin ich nur Vierter, grob 100 Kilometer vor dem Fünften und ungefähr genauso weit weg vom Dritten. Das offene Team wiederum ist Vierter in der Gemeinde, wobei die drei Teams auf dem Treppchen deutlich mehr Radelnde um sich versammelt haben. Schaue ich aber auf den Durchschnitt, Kilometer pro Radelnder, ist das offene Team, na ja, nicht Vierter, sondern gerade mal in den Top Ten.
Gut, da sind auch Einzelteams dabei oder nur sehr kleine, das verzerrt es etwas. Es besteht jedenfalls Luft nach oben, tretet, was das Zeug hält, Team!
Ich bin dabei: Morgen geht wieder ins Büro, bis einschließlich Donnerstag. Und am Freitag, am nächsten Homeoffice-Tag, werde ich dann noch einen Termin mit Bergankunft haben. Samstag dann noch ausrollen und dann werden diese wunderbaren drei Wochen auch wieder Geschichte sein.
Stadtradelnkilometer bisher: 480,51
Gesamtkilometer bisher: 2.560,71
- Isar-Runde – wie vor 30 Jahren

Wenn man den Mund so voll nimmt wie ich und behauptet, drei Wochen lang aufs Auto verzichten zu können, muss an manchen Tagen leiden.
Die Schwiegereltern wollten uns mal wieder sehen, das duldete auch keinen Aufschub. Zumal nächsten Sonntag – wenn ich auch wieder Auto fahren dürfte, wir mit dem Hofflohmarkt Gröbenzell-Süd verplant sind.
Jammern hilft nicht, auch keine Ausreden wie Magenverstimmung, Rückenschmerzen, Sommergrippe, sondern nur das Fahrrad. Sind zu den Schwiegereltern nach Garching 30 Kilometer. Nach Ismaning zum Inder noch mal drei und dann alles wieder zurück. Ich habe Zeit und bin halbwegs in Form, als geht es kurz nach zehn Uhr los.
Wie lange war ich schon nicht mehr mit dem Fahrrad in Garching? Das muss im Spätsommer oder Frühherbst 1997 gewesen sein, als ich nicht jeden Tag, aber im Sommer recht häufig mit dem Rad von Aubing nach Garching gefahren bin, wo ich am Walther-Meißner-Institut für Tieftemperaturphysik an meiner Diplomarbeit arbeitete.
Schon im Grundstudium, das wir noch in der Innenstadt rund um die Arcisstraße absolvierten, sind mein guter Freud und Studienkollege Claus von Aubing respektive Untermenzing im Sommer in die Uni gefahren. Ich hielt den Plan verrückt, ab Sommer 1993 auch nach Garching mit dem Rad zu fahren, aber Claus war zu der Zeit ein Biking-Ultra und fuhr auch mal zu einer Studentenparty im Bayerischen Wald mit dem Fahrrad.
Wir suchten uns eine nette Strecke auf der Karte aus, über den Allacher Rangierbahnhof und den Lerchenauer See nach Feldmoching, dort über das Hasenbergl und das Korbinianhölzl zum Schloss Lustheim und über die Fröttmaninger Heide nach Garching Nord, zur TU und den angeschlossenen Instituten.
Ich war mir nicht sicher, ob ich den Weg heute so noch finden würde, außerdem lag das Ziel im Garchinger Süden. Optimal war die Strecke sicher nicht, die mir Apple Maps heraussuchte. Ich habe dann entgegen des Vorschlags noch ein Stück Rangierbahnhof mitgenommen, ehe es entlang der Triebstraße/Moosacher Straße/Frankfurter Ring ging. Am derzeit gesperrten Föhringer Ring dann nach Norden die Freisinger Landstraße entlang bis nach Garching. Ein meist gut ausgebauter Radweg, aber nicht unbedingt ein schöner.
Für den Rückweg erinnerte ich mich an entspannte Sommertage, an denen ich nicht den etwas kürzeren Weg beinahe parallel zur A99 nahm, sondern den etwas längeren und in der ersten Hälfte weit attraktiveren an der Isar entlang. Vor 30 Jahren legte ich öfter mal am Aumeister eine Trinkpause ein, das verkniff ich mir heute.
Zumal Regen drohte und tatsächlich auch fiel. Ich hatte Glück, dort wo ich fuhr war der Regen nicht lila, sondern eher erfrischend.
Mein Kilometerziel hatte ich schon zum Ende der zweiten Woche erreicht, jetzt bin ich nicht mehr weit von meinem persönlichen Stadtradlrekord entfernt. Morgen darf ich ja wieder ins Büro, die 15 Kilometer kommen mir jetzt beinahe wie eine Kurzstrecke vor.
Stadtradelnkilometer bisher: 480,51
Gesamtkilometer bisher: 2.561
- Über den Berg nach Gilching

Morgens erst einmal mit dem Fahrrad die Runde gedreht, zum Bäcker, Metzger, Gemüsehändler und am Schluss zum Fischladen. Lachsforelle vom Grill wird es geben, dazu nur etwas Salat und Weißbrot.
Sonst keine Einkäufe mehr fällig, vom Rosé, den ich am Mittwoch mit dem Fahrrad geholt hatte, ist noch jede Menge da – passt hervorragend zum Fisch. Dann also noch eine kleine Runde mit dem Mountainbike. Der Wind weht aus Westen, so mache ich mich in Richtung Münchener Berg auf, diesmal von anderen Seite als bei der Eröffnungstour vor bald zwei Wochen.
Der für mich schönste Weg auf den Berg beginnt an der Kirche in Alling. Erst ist die Straße asphaltiert, ab dem Alpaka Beach geht es dann auf Schotter weiter und in den Wald. Der höchste Punkt, an dem der Funkturm steht, ist nach etwa anderthalb Kilometer erreicht, 58 Höhenmeter sind es bis hierher. Sind etwa vier Prozent durchschnittliche Steigung, das schaffe ich mit meinem Biobike noch ohne Probleme.
Das war es dann aber noch nicht mit der Kletterei, nach einer kurzen Abfahrt geht es dann wieder etwas giftiger hoch nach Germannsberg. Dort habe ich die Wahl: Nach rechts in Richtung Biburg und über Fürstenfeldbruck und Emmering wieder heim? Oder nach links über Gilching, Germering und Puchheim?
Ich entscheide mich für letzteres. Die Abfahrt ist ziemlich steil und obwohl mir die breiten Reifen des Mountainbikes doch eine gewisse Sicherheit geben, ziehe ich recht lang die Bremsen.
Stadtradelnkilometer bisher: 408,11
Gesamtkilometer bisher: 2.488
- Bergwertung bei Gegenwind

Eine Joggingrunde oder eine Fahrradtour beendet man besser nicht mit einem Schlussspurt. Das hat mehrere Gründe, einer davon ist aber die psychologische Falle, in die man tappen könnte. Denn am nächsten Tag erinnert sich der Körper an die immense Anstrengung und hat dann weniger Lust, wieder auf die Strecke zu gehen.
Das berücksichtige ich beim Radfahren. Schlussspurt ist im Wohngebiet ohnehin Tabu, aber auf den Freizeittouren schaue ich genau, von woher der Wind weht. Und die Richtung geht es dann. Das Ende der Tour ist ein lockeres Ausfahren mit Rückenwind, der Körper kommt ein wenig zur Ruhe und die Motivation leidet nicht. Die Profiradler, die ihre Rennen mit einem Schlussspurt beenden, fahren danach auch noch locker aus. Entweder lässig vom Zielort bergab ins Hotel oder auf Ergometern hinter der Zielankunft.
Beim Pendeln in die Stadt habe ich nicht die Wahl: “Ach, prima, heute Westwind, fahre ich nach Bruck oder gleich Mammendorf zum Arbeiten, dann wird die Heimfahrt entspannt. Äh, Moment …”. Wobei es auch Vorteile hat, dass der Wind meist aus Westen weht, die Fahrt in die Arbeit ist etwas entspannter als bei Ostwind. Zum Feierabend ist es beinahe egal, wie angestrengt ich am Ziel ankomme. Schlussspurt fällt aus bekannten Gründen ohnehin aus – und die Lust verliere ich so schnell nicht.
Manchmal muss man auch die Windrichtung bei Freizeittouren ignorieren. Am Ostersonntag hatte es wirklich heftigen Westwind, kein Vergleich zu den derzeitigen Wetterlagen. Aber der Olympiapark mit seinen blühenden Kirschen liegt nunmal östlich von uns. Die Hinfahrt war auch ein Traum, mit ordentlich Schub von hinten. Bereut haben wir es gewiss auch nicht, dass die Rückfahrt teilweise eine Qual war, insbesondere in den offenen Landschaften westlich des Untermenziger Friedhofs. Am meisten störte, dass auch hunderte andere Leute die Idee mit den Kirschblüten hatten …

Ostersonntag 2026 am Fuße des Olympiabergs Die im April so spektakulären Bäume, die von der Lerchenauer Straße aus den Hügel in Richtung Olympiaalm hochwachsen, sind im Juli weniger interessant. Habe ich heute nach der Arbeit überprüft. Ich dachte mir, wenn ich schon mal in der Nähe des Olympiaparks mit dem Mountainbike bin, dann könnte ich auch den hiesigen Monte Scherbelino hochstrampeln. Als ich noch ein Stück weiter östlich mein Büro hatte, jenseits des Petuelparks in Schwabing Nord, bin ich manchmal morgens auf dem Weg ins Büro über den Berg. Sind 35 Höhenmeter, die enorm Spaß machen, nicht nur, wenn die Kirschen blühen.
Das Video, das ich mit am Lenker festgeklemmten iPhone im Sommer 2019 aufnahm, hat mir im Winter danach aber wenig gebracht. Ich hatte gehofft, in der dunklen Jahreszeit, in der ich nur selten zu Ausfahrten komme, könnte ich mit der Aufnahme vor Augen ein bisschen motivierter auf dem Ergometer im Keller strampeln. Das funktioniert aber nicht. Lieber noch ein wenig in Licht und reflektierender Schutzkleidung investieren und auch im Dezember und Januar draußen trainieren. Muss in der Jahreszeit ja nicht der Olympiaberg sein, die Olympialam hat dann auch geschlossen.
Stadtradelnkilometer bisher: 367,63
Gesamtkilometer bisher: 2.449
- Umwege, die sich lohnen

Mit Freude sehe ich, wenn immer mehr Leute mit dem Fahrrad in die Arbeit fahren. Weniger erfreulich ist für mich ist dann aber, dass schon vor 9 Uhr keiner der Fahrradständer am OBC mehr einen Platz frei hat. Bei den Stadtwerken München fangen sie offenbar früh an.
Um das Bürogebäude, in dessen fünften Stock mein Arbeitsplatz auf mich wartet, gibt es drei Abstellflächen, an denen man die Radl am Rahmen an einen Metallbügel anschließen kann. Eines rechts, eines links, ergibt insgesamt ungefähr 100 Gelegenheiten. Daneben ist auch noch Platz, das Radl auf den Ständer zu stellen und am Hinterreifen abzuschließen. Könnte weggetragen werden, ist mir daher nicht immer geheuer.
Also ab in die Tiefgarage – der Fahrradkeller ist auch schon gut belegt. Hierbei handelt es sich um drei zweistöckige Anlagen, in den man das Rad in eine Schiene schiebt und das Vorderrad zwischen zwei Bügeln zum Halt kommt. Anschließen kann man das Rad mit dem Rahmen an einem weiteren, seitlichen Bügel, der mit Kunststoff überzogen ist, damit der Lack der Strampelmaschine keinen Schaden nimmt.
Mein Vorderreifen ist zu dick für diese Anlage, es musste mal wieder das Mountainbike sein. Gut, dann stelle ich es eben in der Ecke ab und sichere es mit dem Bügelschloss am Hinterreifen. An sich unnötig, in die Tiefgarage und in den Keller kommt man nur mit einer Zugangskarte oder als angemeldeter Gast. Radler beklauen untereinander nur selten und falls doch, sind die Verdächtigen mindestens 1,90 m groß, andere kommen gar nicht auf mein Bike.
Mit dem bin ich in der Früh natürlich wieder einen Umweg gefahren, einen kleinen, muss ja ins Büro. Auf dem Rückweg gönnte ich eine Tour am Allacher Rangierbahnhof vorbei. Ein schöner, gekiester Radweg, mit etlichen kleinen Steigungen, die sich auf die wenigen Kilometer dann doch auf 50 Höhenmeter oder gar etwas mehr summieren – habe nicht so genau gemessen.
Den Weg kann ich an sich nur mit dem Mountainbike fahren. Nicht wegen der lächerlichen Höhenunterschiede, sondern wegen des Untergrundes. Mit den dünnen Reifen eines Stadtrades käme man in teils tiefem Kies schwer ins Schwimmen, oder in einer von fließendem Wasser in den Untergrund geschnittenen Rillen zum Sturz. Ich kenne die Strecke noch aus meiner Studienzeit, in einigen Sommern bin ich auf dem Weg von Aubing nach Garching dort öfter vorbei gefahren.
Nicht jeden Tag hatte ich mich die 35 Kilometer einfach in die Uni und später ins Institut aufgemacht, aber ein jeder dieser Tage war ein wahres Vergnügen. Ich bin heute aber ganz zufrieden, dass es heute nur grob 15 Kilometer bis zum Arbeitsplatz sind. Da nimmt man gerne mal Umwege, wenn das Wetter passt und die Zeit dafür ist.
Stadtradelnkilometer bisher: 318,3
Gesamtkilometer bisher: 2.400
- Lila Regen

Ich habe gegen 8 Uhr dann doch noch umdisponiert und aus einem geplanten Bürotag einen im Homeoffice gemacht – Donnerstag und Freitag mache ich dann die Drei-Tage-Woche im Büro komplett. An zwei Tagen in der Woche darf ich daheim arbeiten.
Zwei Gründe für die Planänderung: Schon gestern Abend hatte der Deutsche Wetterdienst vor schwere Gewittern in Gröbenzell gewarnt, die ab 6 Uhr niedergehen könnten. Tatsächlich war es noch recht ruhig und trocken um die Uhrzeit, ein Blick auf das Regenradar ließ aber ahnen, dass das nicht mehr so lange der Fall sein würde.
Dem Radeln durch den Regen wollte ich zwar ein Kapitel widmen, wie es aussieht, habe ich aber bis auf weiteres die Chance verpasst durch den Regen zu strampeln und darüber zu berichten. Man sehe es mir nach: in der Prognose und dann später in der Realität war der Regen Lila.
Natürlich nicht buchstäblich, aber Wetterkarten benutzen Farbcodierungen für skalare Werte wie die Temperatur und die Niederschlagsmenge. Blau bedeutet, ab und an einen Tropfen zu spüren, Grün leichten Niesel, über Gelb und Orange wird der Regen immer mehr und der Radler nach immer weniger Kilometern nass bis auf die Haut. Wenn der Regen aber Lila ist, dann besteht keine Chance mehr, sicher voranzukommen. In Zeiten des Klimawandels reichen die bisherigen Skalen nicht mehr aus, noch stärkerer Regen als der in Lila wird in Grau codiert.
Vielleicht hätte ich es geschafft, noch vor dem Wolkenbruch halbwegs trocken im Büro anzukommen. Ich nutze dort einen Fahrradkeller, eine Umkleide und zur Not noch eine warme Dusche. Gestern beim Arzt hieß es aber, nach der Impfung (Tetanusauffrischung) sollte ich mich noch einen oder gar zwei Tage schonen und keinen zu intensiven Sport betreiben. Das wäre der Schlussspurt gegen den lila Regen aber gewiss geworden.
Ich vertrage Impfungen im Allgemeinen ganz gut, im Speziellen hatte ich mit der Tetanolspritze auch kein Problem. Eine leichte Müdigkeit verspürte ich dennoch bei der Arbeit im Homeoffice, war vielleicht keine so schlechte Idee, daheim zu bleiben.
Das Kilometertagebuch und der Blog müssen jedoch gefüllt werden. Also abends noch eine kleine Runde gedreht, zur Fotobude, die Anmeldung für die Hofflohmärkte abgeben und dann noch zum Weinhändler.
Ich war gespannt, wie ich den Karton Primitivo Rosé heim bringen würde. Ist die Fahrradtasche geräumig genug? Müsste eigentlich gehen, es passen auch mindestens sechs bis acht leere Flaschen rein, aber der Karton kommt auch nicht hinzu.

Die linke Tasche blieb leer. Warum eigentlich? Oder spanne ich diesen auf den Gepäckträger wie neulich das in Puchheim im Kiosk abgeholte weil von UPS trotz Anwesenheit nicht zugestellte Paket? Spanngurte habe ich, daran würde es nicht scheitern.

Und auf dem Gepäckträger ist auch noch Platz. Auflösung: Die Tasche ist geräumig genug, man benötigt nur etwas Hilfe, um den Karton dort hinein zu bugsieren. Idee: das nächste Mal gleich zwei Kartons gekauft, zum Rosé noch den feinen Roten aus Georgien, den ich mir neulich schmecken ließ?
Denn dann ist die Balance wieder hergestellt, so zog das Radl doch sehr in eine Richtung. Und wenn wir schon mal dabei sind, noch einen dritten Karton auf den Gepäckträger montiert?
Das würde dann bis weit nach dem Ende des Stadtradelns reichen. Wenn auch nicht ganz bis zum nächsten Mal.
Stadtradelnkilometer bisher: 276,00
Gesamtkilometer bisher: 2.359
- Strampeln gegen die Müdigkeit

Bei der Tour de France nehmen sie sich am zweiten und dritten Montag ihrer dreiwöchigen Strapazen einen Ruhetag. So legte ich gestern auch mal die Beine ein wenig hoch und verzichtete auf meine Tour nach Feierabend im Homeoffice. Zudem rollten ab dem späten Nachmittag allmählich die Gewitter an, die schon am Sonntag ihre Vorboten gesandt hatten.
Die gestrigen Gewitter haben Gröbenzell dann nur gestreift, während in der Stadt in einigen Vierteln schier die Welt unterging. Je weiter ich nach Osten radle, umso mehr Spuren sind zu sehen: Laub Zweige und Äste auf dem Fuß- und Radweg. Nur die Straße ist längst durch den Autoverkehr geräumt. Ich hätte gestern jedenfalls nicht an Ort und Stelle sein wollen, schon gleich gar nicht mit dem Fahrrad. Die Wetterprognose für den Dienstag ist aber recht günstig.
So setze ich mich gegen acht Uhr auf das Radl, hundemüde, weil ich um halb zwei in der Früh noch zusehen musste, wie der in Hamburg geborene FC-Bayern-Spieler Jonathan Tah seinen Elfmeter wie vor 50 Jahren ein gewisser Uli Hoeness über die Latte jagt. Die Bälle aus Boston und Belgrad werden sich irgendwo in der Erdumlaufbahn begegnen.
Gegen Müdigkeit – auch geistig – hilft Bewegung aber am besten. Statt in der S-Bahn zu sitzen, einzupennen und womöglich erst wieder an der Endstation aufzuwachen, geht es also wieder mit dem Radl ins Büro. Das Auto scheidet vollkommen aus, die nächsten zwölf Tage noch, heute eingeschlossen. Zumal müde Autofahren in etwa so sinnvoll ist wie mit mit vier Halben intus sich hinter das Steuer zu setzen.
Die frische Luft und die Bewegung regen den Kreislauf an, müde werde ich wohl erst wieder im Büro sein, spätestens nach dem Mittagessen. Angesichts des Windbruchs auf dem Radweg ist aber Vorsicht geboten – im Mai hatte ich auf dem Weg schon einen kleinen Unfall. In Höhe Westfriedhof sah ich einen Ast erst relativ spät und wirbelte ihn mit dem Vorderreifen gegen mein Schienbein – durch die Jeans hindurch schlug mir das Holz eine blutende Wunde. Harmlos, gewiss, ich würde das eher als Beinaheunfall einordnen. Aber gerade diese sind wichtig, um daraus zu lernen und das nächste Mal noch ein wenig achtsamer zu fahren.
Schließlich will ich nicht die Dichte an Geisterradln hier erhöhen, auf den letzten drei Kilometern zum Büro stehen zwei davon an Kreuzungen. Das jüngst aufgestellte kündet von einem besonders tragischen Fall: Im Februar 2025 hatte eine 33-jährige Radlerin am Wintrichring, Ecke Allacher Straße das Rotlicht übersehen und eine 19-jährige Autofahrerin, die grün hatte, konnte nicht mehr reagieren.
Die Ampelschaltung ist an dieser Stelle auch ein wenig kompliziert und für Radfahrer recht ungünstig. Nicht selten benötigt man zwei Ampelphasen, um über den Wintrichring zu kommen. So lange die Anlage aber nicht anders geschaltet ist, gilt es einfach extrem wachsam zu sein. Macht der Autofahrer einen Fehler, hat sein Gefährt eine Schramme, begeht der Radler einen, könnte es sein letzter gewesen sein. Deshalb ist eine sichere Infrastruktur, die konsequent den Radverkehr vom Autoverkehr trennt auch so wichtig. Bedauerlicherweise ist das nicht überall machbar.
Stadtradelnkilometer bisher: 266,02
Gesamtkilometer bisher: 2.349
- Wetterwechsel in Sicht

Eigentlich wollte ich nach etwa zwei Dritteln der geplanten Tour mir nur mal kurz die Füße im Wasser vertreten, an der Kneipp-Anlage in Puchheim Ort, hinter dem Feuerwehrhaus. Aber nichts da: der Gröbenbach war an der Stelle ausgetrocknet.
Schon der Starzelbach in Eichenau führte nur sehr wenig Wasser, an manchen Stellen war er nicht einmal mehr ein Rinnsal. Und der kleine Ascherbach in Gröbenzell ist heute fast komplett verschwunden, nur ein paar vereinzelte Pfützen liegen noch im Bachbett.
Hitzewelle bahnt sich an: Gemeinde in Oberbayern trocknet aus – „So etwas gab es noch nie“ titelte der Merkur – im Juli 2022. „Noch nie“ ist also schon nach vier Jahren wieder eingetreten. Der Hchwassernachrichtendienst Bayern (HND) meldet für Gröbenzell derzeit einen Grundwasserpegel von 1,77 unter Bodenniveau, was zwischen der Linie für “niedrig” und “sehr niedrig” liegt.
Ich beobachte die Daten seit jenem 1. Juni 2024 sehr genau, als nach drei Tagen Regen das Grundwasser in meinen Keller drückte. Bei 50 Zentimetern unter Bodenniveau hatte es angefangen, kurz nach Mitternacht war der Höchststand von 25 Zentimetern erreicht und das Wasser rauschte geradezu durch die Wände. Aber früher war es auch schon mal heiß und hat dann auch wieder tagelang geregnet, wollen einem Ignoranten weiß machen …
Der Klimawandel ist da, keine Frage. Der Wetterwechsel nach gut zehn Tagen Hitzedom zeichnet sich ab, der kräftige Westwind und die immer dichter werdenden Wolken sind seine Vorboten. In unserer Gegend scheinen wir einigermaßen glimpflich davon zu kommen, die stärksten Gewitter soll es heute Abend in der Mitte des Landes geben. Hier im Süden wird es nur merklich kühler und auch ein wenig nass.
Kommt mir beinahe wie eine Verheißung vor, gegen Regen lässt es sich besser schützen als gegen 36 Grad und hohe Luftfeuchtigkeit. Gewitter ist etwas anderes, aber das kann man auch an einem sicheren Ort abwettern. Mal sehen, wie das in der kommenden Woche mit meinen Radlplänen kollidiert.
Ich hatte in der ersten Woche Stadtradeln etwas über 200 Kilometer ins Fahrtenbuch geschrieben, damit schon nach einem Drittel das selbstgesteckte Ziel zur Hälfte erreicht. Nachlassen will ich aber nicht, also gleich nach dem Frühstück wieder aufgesessen und eine kleine Runde gedreht. Erst gegen den Wind, der insbesondere in der Allinger Gern seine volle Kraft entfaltete und massiv bremste. Umso mehr Spaß macht dann die Fahrt an der B2 entlang, wenn der Wind wie verrückt schiebt und die Vorfreude auf ein kühles Fußbad die Kurbel mit 90 Umdrehungen pro Minute die Kette über die Ritzel jagt.
Nur musste das Fußbad erstmal entfallen – wenigstens führt der Gröbenbach im Gemeindegebiet noch ein wenig Wasser.
Stadtradelnkilometer 2026 bisher: 227,25
Gesamtkilometer 2026 bisher: 2.311
- Die Würm ist auch ein schöner Fluss

Der Begriff „Mittagshitze“ impliziert, dass es am Mittag am heißesten ist. Das wäre bei uns kurz nach 13 Uhr MESZ, wenn die Sonne im Zenit steht, um diese Jahreszeit etwa 65 Grad über dem Horizont.
Nun ist die Atmosphäre aber ein wenig träge, der Energieeintrag durch Sonnenstrahlung macht sich mit Verzögerung als Wärme bemerkbar. Weswegen es eine Stunde vor Sonnenaufgang hier angenehme 20 Grad hat, aber eine Stunde nach Sonnenuntergang das Thermometer immer noch an der 30-Grad-Marke kratzt, von oben her kommend.
So ist es an diesen Hitzetagen eben nicht mittags am heißesten, sondern etwa zwischen 17 Uhr und 18 Uhr. Habe meine Runde über den Waldschweigsee, über Karlsfeld an der Würm entlang bis zur Blutenburg und von dort aus an der Bahn entlang nach Lochhausen und schließlich an der Aubinger Lohe vorbei nach Gröbenzell daher um 11 Uhr angetreten.
Morgen steige ich etwas früher aufs Rad, denn auch wenn es jetzt um 14 Uhr noch heißer und der Höhepunkt noch gar nicht erreicht ist, Mittagshitze war das dennoch. Mein Helmtuch, patschnass zu Fahrtantritt, war nach halber Strecke bröseltrocken und daher ohne jedwede Kühlwirkung. Die Oberschenkel zitterten, das Herz pumpte, die Lunge rasselte. Grad schön war’s.

Kurze Rast an der Würm, Teeflasche leeren, trockenes Helmtuch abnehmen. Morgens ist es weit angenehmer, ich erledige samstags immer zwei Einkaufsrunden. In der ersten bin ich beim Metzger und Bäcker und je nach Bedarf auch beim Gemüsehändler. Das mache ich an sich das ganze Jahr über, außer bei Glatteis oder Temperaturen, an die wir heute sehnsüchtig denken, die wir aber zum Glück erst wieder in einem halben Jahr außerhalb des Gefrierschranks erleben.
Die zweite Tour dann nach dem Frühstück mit vollgepackten Fahrradtaschen zum kleinen Wertstoffhof, Glas und Blech dem Recycling zuführen. Weiter zum Edeka, das Pfandglas zurückbringen und die Fahrradtaschen wieder vollmachen. Ich hatte es an anderer Stelle schon mal ausgeführt: Mit meinem Radl kann ich keinen Wocheneinkauf erledigen, deshalb fahre ich öfter. Die Wege sind ja angenehm kurz.

Beide Taschen noch nicht einmal ganz voll und der Gepäckträger hat auch noch Kapazität. Zur Not dann noch einen Rucksack füllen und man bekommt fast so viel unter wie ein überdimensionierter SUV in seinem unterdimensionierten Kofferraum. Und vor 11 Uhr, wenn die Hitzewarnung des DWD greift, auch noch angenehm schattig. Einkaufen und zum Wertstoffhof muss ich am Sonntag nicht.
Stadtradelnkilometer 2026 bisher: 201,80
Gesamtkilometer 2026 bisher: 2.286
- Ach, diese Hitze – diese entsetzliche Hitze

Jan Ullrich hätte die Tour de France 2003 gewonnen, wenn am Tag des zweiten Zeitfahrens bei Nantes es genauso heiß gewesen wäre wie gut zwei Wochen davor beim ersten in Lyon. Ullrich kam mit der Hitze von Lyon weit besser zurecht als sein ewiger Konkurrent Lance Armstrong und nahm ihm mehr als eine Minute ab. Im Regen von Nantes war der Vorteil dahin und er musste zu viel riskieren, bis er in der Kurve wegrutschte und die letzte Chance dahin ging.
Mal abgesehen davon, dass auch Ullrich später der Sieg von 2003 aberkannt worden wäre – es gibt Leute, die kommen mit Hitze weit besser zurecht als andere, Ullrich etwa besser als Armstrong.
Ich zähle mich auch zu diesen Leuten – nein, nicht zu jenen, welche die 17 Kehren nach L’Alpe d’Huez in weniger als 45 Minuten hoch strampeln. Sondern zu jenen, die mit Hitze besser auskommen als andere. Aber auch ich habe meine Grenzen.
Wie angenehm war doch am Donnerstag die Heimfahrt vom Sommerfest mit den Kollegen, das im Taxisgarten geendet hatte. In die anbrechende Dunkelheit hinein, dem letzten Licht aus Westen entgegen, bei Temperaturen endlich wieder nennenswert unter 30 Grad. Fast allein auf Radwegen und Straßen, denn entweder waren all die anderen noch in den Biergärten der Stadt oder vor der TV-Übertragung des Spiels #ECUGER oder gar beides. Ich hätte verbotener Weise mitten auf der Straße fahren können, aber wozu? Auf dem leeren Radweg kam ich wunderbar voran und war fast auf die Sekunde genau zum Anpfiff daheim. Über den restlichen Abend muss ich nicht viele Worte verlieren, hatte ja nichts mit Radfahren zu tun, sondern eher mit Schwimmen, nahe am Ertrinken.
Welch Kontrast dann am Freitag. Mal wieder ein Homeofficetag, hatte auch mit einem Arzttermin zu tun. Rückblickend wäre ich lieber sofort danach in das kühle Büro geradelt und später am Abend wieder heim, gerne noch mit Zwischenstopp in einem Biergarten. So pendelte ich eben zwischen Terrassentisch (bis etwa 10 Uhr erträglich, dann heiß, dann unerträglich) und Kellerbüro (20 Grad, aber dunkel und hohe Luftfeuchte).
Radeln darf aber auch an solchen Tagen nicht entfallen. Also gegen 16 Uhr nochmal auf das Bike gesetzt und ab in die Aubinger Lohe. Die ist recht schattig, hat aber einige herausfordernde Steigungen zu bieten. Wenigstens kühlt der Wind bei der Abfahrt.

Wenn gar nichts geht, in der Aubinger Lohe geht immer ein bissl was. Stadtradelnkilometer 2026 bisher: 162,36
Gesamtkilometer 2026 bisher: 2.249
- Radeln statt Rollern

Es ist ziemlich genau sieben Jahre her, dass Sascha Lobo in seiner Spiegel-Kolumne unter dem Titel Gegenwehr aus Gewohnheit ein Loblied auf die E-Scooter gesungen und Kritik an der neuen Art der Fortbewegung als Bräsigkeit geschmäht hat.
Sein Hauptargument für die „Mobilitätsplattformen“: Mit geliehenen E-Scootern käme man wirklich von A nach B und nicht wie mit einem eigenen oder gemieteten Fahrzeug von A nach A mit dem Zwischenstopp bei B (wie Büro) und eventuell einem Abstecher nach C (Café).
Kritiker hätten unterschiedlichste Bedenken, denen aber gemein sei, das Neue erst einmal grundsätzlich abzulehnen. Die Kritik von Radlern etwa sei die, dass es dank der E-Scooter (die auf dem Radweg fahren müssen und das weder auf der Straße noch dem Gehweg dürfen) jetzt noch enger in der ohnehin schon engen Infrastruktur werde.
Wo er Recht hat, da hat er Recht, der Lobo. Denn sieben Jahre später sind E-Scooter nach wie vor der Endgegner des Radlers. Hütet man sich vor unvorsichtigen oder rücksichtslosen Rechtsabbiegern oder Autotüröffnern, klingelt man behutsam nur auf die Fahrbahn blickende Fußgänger vom Radweg herunter und sagt dem in der falschen Richtung entgegen kommenden Radler in klaren Worten, was man davon hält, kommt gleich an der nächsten Ecke so ein Scooter herangeschossen.
Nicht selten stehen zwei Personen – meist jüngeren Baujahres – auf dem Trittbrett. Dank sofort verfügbarem vollen Drehmoment brausen dem langsam anfahrenden Bioradler, der den Scooter gerade erst mühselig überholt hatte, an der eben (oder noch nicht einmal ganz) grün gewordenen Ampel wieder davon.
Und wenn ich dann auf meine üblichen 23 bis 25 km/h beschleunigt habe, erweist sich der Scooter schon wieder als Verkehrshindernis, mit seinen permanenten 20 km/h.
Auf der Straße darf ich bekanntlich mit dem Biobike nicht fahren, dürfte ich nicht einmal mit dem Pedelec, es sei denn, esse handelt sich um ein S-Pedelec, mit 45 km/h Höchstgeschwindigkeit. Derartige Gefährte kommen mit Helm- und Versicherungspflicht und müssen auf die Straße.
Das größte Ärgernis sind aber rücksichtslos abgestellte E-Scooter. Ich hatte mal bei einer nächtlichen Heimfahrt von einer mit dem Job zusammenhängenden Veranstaltung das große Vergnügen, mitten auf dem Radweg einen stehenden Scooter anzutreffen. Ich habe ein gutes Licht und fahre auch nur in einer den Verhältnissen angemessenen Geschwindigkeit, so bestand für mich keine echte Kollisionsgefahr, grantig war ich dennoch.
Das ist kein Einzelfall, erst neulich wieder bei einer Sonntagstour in Richtung Olympiapark stand da schon wieder so ein Ding mitten auf dem Radweg an der Von-Kahr-Straße. Und mit Schaudern erinnere ich mich an das wie ein Scooter-Friedhof aussehende Stilleben von vier oder fünf Scootern, die nicht über die Stadtgrenze kamen und daher am Radweg von Gröbenzell nach Lochhausen am Ortsschild abgelegt waren. Wenigstens in der Böschung und nicht auf dem Weg.
Hinzu kommt, dass der Einsatzzweck als Fortbewegungsmittel für „die letzte Meile“ von S-Bahn-, U-Bahn- oder Trambahnhaltestelle in Richtung Büro oder Wohnung nur dazu führt, dass man sich fast gar nicht mehr bewegt. Von der Thematik, dass im Auftrag der Anbieter nachts Transporter durch die Gegend fahren, Scooter einsammeln und zum Aufladen bringen, ganz zu Schweigen. Nein, E-Scooter und ich werden keine Freunde mehr.
Ich bin nun einmal ein passionierter Radfahrer, weswegen mir auch deshalb das Konzept von MyRadl besser gefällt. Hier ist das Abstellen nur auf den vorgesehenen Flächen erlaubt, anderswo kostet es Strafe.
Wer von A nach A mit einem Leihradl von MyRadl zu fahren plant, kann es aber zwischendrin nicht bei B abstellen (und mit dem Absperren das Leihende signalisieren), solange es sich um keine definierte Station handelt.
Das war beim Vorgänger dem MVG-Radl offenbar anders, was bei der Kundschaft zu Irritationen geführt hat. Angeblich will dem MyRadl mit einer Option begegnen, die Leihe zu unterbrechen. Ich verstehe das Unbehagen, ein Radl irgendwo unabgesperrt hinzustellen.
Mit der strikten Regelung „Leihende nur an einer unserer Stationen“ vermeidet MyRadl aber die Probleme, die Radler und Fußgänger mit störend in die Landschaft gestellten E-Scootern haben. Von A nach B kommt man dennoch, etwa von einer S-Bahn-Station zur nächsten. Wenn mal wieder die S3 in Lochhausen endet, wäre das recht praktisch – denn die Stadt- und Gemeinedegrenzen mit dem Leihradl zu überfahren ist nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht.
Wie oft lande ich im Winter, wenn ich vorwiegend den ÖPNV nutze, in Puchheim anstatt in Gröbenzell, weil die S3 mir gerade vor der Nase davon gefahren ist? Ein MyRadl brächte mich dann kostengünstig oder gar gratis von Puchheim nach Gröbenzell, wo ich eventuell morgens mein eigenes Radl am Bahnhof abgestellt habe. Mit dem nehme ich dann die letzte Meile nach Hause.
Stadtradelnkilometer 2026 bisher: 143,05
Gesamtkilometer 2026 bisher: 2.236
- Über die Blutenburg in die Stadt radeln

Wenn ich schon drei mal pro Woche ins Büro sollte, bieten sich freilich Dienstag bis Donnerstag an. Gefällt mir, denn früher hatte man insbesondere Minister aus Bayern als DiMiDo-Minister verspottet, weil sie eben nur von Dienstag bis Donnerstag in Bonn waren (ja, so lange ist das her) und den Rest der Zeit in ihrem Wahlkreis verbrachten. Tempi passati …
Ich bin dann aber eben der DiMiDo-Redakteur, der montags, freitags und manchmal sogar am Wochenende daheim arbeitet, das Macbook Pro aber von Dienstag bis Donnerstag im abschließbaren Spind im Büro lässt. Was bedeutet: Mittwochs kann ich mit leichtem Gepäck reisen. Etwa nur mit einem Rucksack, in dem gerade mal etwas Notfallwerkzeug passt und ein Hemd, das man auch im Büro tragen kann. Der Rest ist Radl-Spaß.
Also griff ich mal wieder zum Mountainbike, das ich erst in Februar kaufte, weil mein altes Sportrad nicht mehr reparabel war. Ich brach früh auf, als es noch unter 25 Grad hatte und und fuhr eben nicht direkt ins Büro.
Also nicht über die Von-Kahr- respektive Allacher Straße mit ihren guten Radwegen, die an manchen Stellen auch breit genug zum Überholen sind, dabei sehr gut von der Fahrbahn getrennt – heute war mir mehr nach Schotter und Wald.
Was bedeutet: Von Lochhausen aus an der Bahn entlang, den Schotterweg nördlich der Gleise in Richtung Alte Allee. Von der Blutenburg aus geht es dann durch den Durchblick, später ein Stück an der Nymphenburger Schlossmauer vorbei, ehe an der Bus- und Tramhaltestelle Amalienburgstraße die Querung der Menzinger Straße über die Ampel ins Kapuzinerhölzl lockte.

Not my Radl. Aber wer immer das ausgeliehen hat und hier abstellte, wird eine Strafe zahlen müssen. Rückgabe nur auf den gekennzeichneten Flächen. Leider war die kurze Grünphase für querende Fußgänger und Radler in dem Moment zu Ende, als ich an der Furt angelangt war. Die nächste würde es trotz Stau auf der Menzinger erst in einer halbe Stunde geben – okay, ich übertreibe, aber letztens habe ich hier über drei Minuten warten müssen.
Dann eben weiter an der Schlossmauer, am Haupteingang des botanischen Gartens vorbei und insbesondere am Stau – immer wieder ein Vergnügen. Diesen Abschnitt kenne ich jetzt auch schon seit 30 Jahren oder länger und schätze ihn wegen des einwandfreien Asphalts und des leichten, kaum merklichen Gefälles. So macht Radeln noch mehr Spaß.
Die letzten zwei bis drei Kilometer geht es auf dem Radweg am Wintrichring entlang, der nach Querung der Dachauer Straße Georg-Brauchle-Ring heißt und an dessen Hausnummer 23 das OBC liegt.

Des is mei Radl. Auf dem Heimweg verzichtete ich angesichts der knackigen 32 Grad auf Umwege, in der Woche zuvor war ich auch auf dem Rückweg durch das Kapuzinerhölzl geradelt, später am westlichen Ende der Aubinger Lohe nochmal über Schotter.
Stadtradelnkilometer 2026 bisher: 109,81
Gesamtkilometer 2026 bisher: 2.199
- Bürotage statt Hundstage

Dreimal in der Woche sollte ich im Büro arbeiten, die restlichen beiden Arbeitstage sind auch im Homeoffice möglich. Erlaubt sind natürlich auch fünf im Büro, aber bei der derzeitigen Hitze bleibe ich gerne mal daheim und spare mir das Pendeln.
Andererseits: Im unserem Büro im fünften Stock des Olympia Business Center (OBC) ist es angenehm kühl. Das Gebäude gehört den Stadtwerken München, die ivom Erdgeschoß bis Stockwerk 4 ihre Mitarbeitenden untergebracht haben und die vier weiteren Stockwerke vermieten.
Das OBC wurde erst vor wenigen Jahren renoviert und mit einer nachhaltigen Kühlung ausgestattet, die auf Ökostrom läuft. Von Tag zu Tag finde ich mehr Gefallen daran, ins 24 Grad kühle Büro zu radeln und nicht bei annähernd 30 Grad am Terrassentisch zu arbeiten oder bei zu frischen 19 Grad an meinem Homeoffice-Arbeitsplatz im Keller.
Zumal morgens die Fahrt ins Büro noch sehr angenehm ist, bei etwas über 20 Grad und heute mal mit leichtem Rückenwind. Ich nehme gerne den kleinen Umweg über Lochhausen und Aubing in Kauf, vom kleinen Park über den Aubinger Tunnel geht es dann über den Radweg an der Mühlangerstraße über die A8 in Richtung Inselmühle und dann weiter über von-Kahr-Straße/Allacher Straße und Wintrichring zum Georg-Brauchle-Ring.
Über die Langwieder Hauptstraße und die Lochhauser Straße wäre die Route etwa einen Kilometer kürzer, aber sie hat ihre Tücken. Denn nördlich der Langwieder Hauptstraße verläuft ein Fußweg, der zwar in beiden Richtungen für Radler freigegeben ist, den man aber gefahrlos an sich nur stadtauswärts befahren kann: die Fahrbahn zweimal zu queren ist mit Risiko verbunden.
Gleiches gilt an der Berglwiesenstraße, auf der Brücke über die A8, nahe der Einfahrt zum Aubinger Tunnel. Und an beiden Straßen wurde ich schon von ungeduldigen Autofahrern mit Abständen unter 15 Zentimetern überholt, was im Anstieg der Brücke besonders fatal ist. Nicht von ungefähr gibt es hier eine durchgezogene Linie, die man selbst bei den engsten Überholmanövern noch überfährt. Besser bergauf ohne Sicht auf den Gegenverkehr nicht überholen als sich und andere gefährdend zu überholen? Diese Erkenntnis haben so manche motorisierte Verkehrsteilnehmer bisher nicht verinnerlicht. Dabei geht es um einen Zeitgewinn von nur wenigen Sekunden, bei der Abfahrt von der Brücke lässt sich zwar auch nicht Gesetzes konform, aber doch sicher überholen, solange nichts entgegen kommt.
Ganz nett sind auch immer die Autofahrer, die meinen, mich belehren zu müssen, da sei doch ein Radweg, warum ich verbotener Weise auf der Fahrbahn unterwegs sei? Nun ja, das Verkehrszeichen 239 (rund, blau, weiße Silhouetten einer Erwachsenen und eines Kindes) mit Zusatzschild 1022-10 (rechteckig, schwarzes Fahrrad auf weißem Grund) bedeutet nur, dass Radler dort in Schrittgeschwindigkeit fahren dürfen – aber es nicht müssen. Benutzungspflichtig sind nur Wege, an denen ein rundes blaues Schild mit einem weißen Fahrradsymbol steht: das sind die mit den Nummern 237 (Radweg), 240 (gemeinsamer Geh- und Radweg) und 241 (getrennter Geh- und Radweg). Und solche stehen weder an der Langwieder Hauptstraße noch an der Berglwiesenstraße.
Eines der Kraftfahrzeuge, aus denen ich einst eine Belehrung erhielt, war silbern mit grünen Streifen, auf dem Dach ein Blaulicht. Das war jedoch an anderer Stelle, etwa dort, wo Lochhausen an Aubing grenzt und die Henschelstraße zur Altostraße wird. Der Beamte auf dem Beifahrersitz meinte, ich sei dort auf dem „Radweg“, der kein Radweg ist, weit sicherer, was ich klar verneinen musste. Schließlich führt der an mehreren Einmündungen von Wohnstraßen vorbei – und ich hatte schon öfter auf regulär in zwei Richtungen befahrbaren Radwegen das Problem, dass abbiegende Autofahrer nicht auf dem Schirm hatten, dass ein Radler von links kommen könnte. Der in Aubing-Lochhausen ist jedoch ein sehr unschöner und unübersichtlicher Streckenabschnitt, ich biege unmittelbar nach dem Lochhauser Bahnhof lieber links in die Schrimpfstraße und später in die Denkenhofstraße in Richtung Mühlangerstraße ab, da ist weniger Verkehr.
Wenn der Bürotag langsam sein Ende findet, sinkt die Temperatur noch lange nicht in den angenehmen Bereich. Aber bis 20 Uhr oder länger will ich dann auch nicht im OBC bleiben. Also raus in die Hitze und nach Hause gestrampelt. Ich behelfe mir wieder mit dem Kopftuchtrick, das Helmtuch ordentlich nass gemacht, das hält den Kopf und das Gemüt kühl. In den Autokolonnen, an denen ich mal wieder entspannt auf dem Radweg vorbei fahre, mögen die meisten ihre Klimaanlage ordentlich aufgedreht haben, sonst ist es insbesondere im Stau kaum auszuhalten. Ich habe nur an den wenigen Ampeln ein Problem, wenn es länger nicht mehr weiter geht, aber nach etwa 50 Minuten bin ich dann doch wieder wohlbehalten daheim.
Stadtradelnkilometer 2026 bisher: 72,92
Gesamtkilometer 2026 bisher: 2.166
- Mittagsrunde zum Einkaufen

Mit dem Fahrrad einkaufen unterscheidet sich zum Einkauf mit dem Auto etwa so wie das Laden des E-Autos mit dem Betanken des Verbrenners. Man lädt eben bei sich jeder bietenden Gelegenheit, der Akku lebt ohnehin länger, wenn man ihn zwischen 20 und 80 Prozent Ladung betreibt und beim Laden nicht zu heiß werden lässt. Den Benziner oder Diesel fährt man bis zum Anspringen der Reserveleuchte und füllt dann bis Oberkante Unterlippe den Tank voll.
Einen kompletten Wocheneinkauf oder den für zwei bekomme ich mit meinem Rad natürlich nicht transportiert. Ich stelle mich zwar auf den Standpunkt, ein jedes Fahrrad sei ein Lastenrad, transportiert man Lasten damit und so stelle ich mich auch auf den gekennzeichneten Platz vor dem verlassenen Rewe. Manche Sachen lassen sich aber nur mit einem dedizierten Lastenfahrrad transportieren.
Also kaufe ich eher öfter ein, die Wege in Gröbenzell sind selbst nach dem Wegfall des Rewe in der Kirchenstraße angenehm kurz, auch die Nachbarstädte sind nicht weit entfernt.
Heute Mittag stellte ich fest, dass ich dringend noch ein 45-Watt-Ladegerät und ein USB-C-Kabel benötigte. Den Lieferanten mit dem kleinen a, den ich viel zu oft für solche Kleinigkeiten bemühe (meistens sammle ich den Warenkorb aber über Tage und Wochen an), ließ ich auch dort im Internet liegen, wo er zu finden ist.
Zum Expert in Olching mit dem Auto? Wenn man nur zwei Teile benötigt, die zur Not auch in die Hosentasche passen? Nein, nicht mein Stil. Bevor es am Nachmittag wieder viel deutlich über 30 Grad haben würde, nutzte ich die milden 29 Grad mit leichtem Wind aus Nordosten aus, um mal eben nach Olching zu radeln, und über Eichenau und Puchheim wieder zurück.
Nebenan lockte der Getränke Krämer mit Kaltgetränken, mehr als einen kleinen Kasten würde ich auf mein Radl aber nicht bekommen. Immerhin bietet der Krämer auch einen Lieferservice, den ich seit einer Meniskusoperation, in deren Folge ich das Auto weit mehr als drei Wochen lang stehen ließ, in Anspruch nehme.
Werde ich mir doch noch ein Lastenfahrrad anschaffen? Der Schuppen ist schon voller Räder, in der Garage steht das Auto, vor dem Haus wird es auch eng – mal sehen, wo ich mir dafür Platz schaffen könnte. Oder ich leihe mir bei der Gemeinde gelegentlich ein Lastenradl aus, für Schwertransporte jenseits von zwei bis drei Getränkekästen bekäme man beim ADFC noch einen Anhänger dazu.
Stadtradelnkilometer 2026 bisher: 42,25
Gesamtkilometer 2026 bisher: 2.119
- Eröffnungstour, schweißtreibend

Ich kenne den Münchener Berg östlich von Fürstenfeldbruck recht gut, bin in den letzten Jahren jeden mir bekannten Weg hoch oder runter gefahren. An der B2 entlang, durch die Emmeringer Leite oder von der Amper kommend.
Der meiner Erfahrung nach steilste und anstrengendste Weg geht hinter dem Kloster Fürstenfeld in Richtung Gelbenholzen/Pfaffing hoch. Mit gewisser Erleichterung stellte ich aber schon beim Check des Routenplans für die Eröffnungstour des diesjährigen Stadtradelns fest, dass die vom ADFC geführte Tour aus Gröbenzell und Olching den etwas weniger steilen Weg vom Bahnhof FFB über den Pfaffinger Weg in Richtung Biburg nehmen würde.
Anstrengend waren die rund 70 Höhenmeter für mich und mehr als 50 anderen Stadtradelnden aus Gröbenzell und Olching dennoch – gut 13 Kilometer waren bis dahin schon durch die Hitze des Junisonntags absolviert.
Die meisten Wege mir vertraut, war über Details der von Martin Oetjen geleiten Tour aber immer wieder freudig überrascht – “ach, so kommt man auch von Olching nach Esting” und später “Interessante Variante auf dem Weg von Eichenau nach Puchheim”.

Screenshot Meist radle ich im hiesigen Landkreis und den benachbarten alleine oder mit der Gattin, für mich war das auch eine neue Erfahrung, mit ein paar Dutzend Gleichgesinnten zu radeln. Wird vermutlich nicht das letzte Mal gewesen sein, wenngleich im Pulk respektive in der Schlange zu fahren, höchste Aufmerksamkeit erfordert und noch mehr anstrengt als Radln in der Hitze allein. Immerhin blieb das Tempo moderat, damit wirklich alle mitkommen.
Was die Leistung des etwa sechsjährigen Mädchens, das mit seinem Vater unterwegs war, keineswegs schmälert. Erst am Berg musste sie der Anstrengung Tribut zollen und nahm mit Vater und ADFC-Schlussfahrer Thomas Schubert eine kleine Abkürzung, die aber auch nur etwa 20 Höhenmeter weniger erklomm – bei der Abfahrt aus Biburg in Richtung Alling trafen wir die drei an dem Feldweg wieder, der in Wagelsried auf die Straße trifft.
Die letzten Höhenmeter von Gelbenholzen/Pfaffing nach Biburg hinauf sind auch für mich so etwas wie der Endgegner. Nach der Linkskurve gerät man erst in eine leichte Senke, in der man noch etwas Tempo aufnehmen kann, dann wird es aber sehr kurz sehr steil – müssten so um die 12 bis 14 Prozent sein – ehe es wieder etwas flacher ansteigt, dann aber in der prallen Sonne.
Klar, mit dem E-Bike ginge es leichter den Münchener Berg, ich hatte das schon ausgiebig genau an der Stelle getestet. Bei Temperaturen wie den heutigen ist man mit dem Biobike – also dem allein durch Muskelkraft angetriebenen Gefährt – deutlich im Nachteil. Macht aber irgendwie mehr Laune, wenn man sich den Berg hochgequält hat und bei der Trinkpause im Schatten einen großen Schluck aus der Fahrradflasche nimmt.
An Hitzetagen behelfe ich mir mit einem Trick: Als mobile Klimaanlage montiere ich mir ein patschnasses Kopftuch unter den Helm, das hält auch bei 35 Grad den Kopf für eine gute Stunde kühl – immer wieder beim Pendeln im Sommer ausprobiert. Am Nöscherplatz in Olching beim ersten Zwischenstopp also nochmal das Tuch in den Brunnen gehalten, und weiter geht die Fahrt.
Die Abfahrt vom Münchener Berg ist dann ein erfrischendes Vergnügen, die Rückfahrt nach Puchheim und Gröbenzell die pure Vorfreude auf ein Kaltgetränk.

Die Würm ist auch ein schöner Fluss und die Inselmühle immer eine Einkehr wert. Liegt etwa auf halber Strecke vom Büro nach Hause. In der anstehenden Woche bleibt es zunächst so heiß, aber morgens ist es noch gut erträglich und nach der Arbeit ließe sich zur Not auf halber Strecke einkehren, um das Kopftuch in der Würm erneut zu befeuchten oder die Kehle mit einem Getränk in der Inselmühle.
Stadtradelnkilometer 2026 bisher: 28,25
Gesamtkilometer 2026 bisher: 2.105
- Vor dem Start

Meine Nominierung als Stadtradln-Star ist fast ein wenig unfair, das gebe ich gerne zu. Ich fahre ohnehin recht häufig mit dem Fahrrad, Strecken von 15 Kilometern oder mehr schrecken mich nicht ab. In den vergangenen Jahren waren einige dabei, in denen ich insgesamt weitere Strecken mit dem Fahrrad zurückgelegt habe als mit dem Auto, so um die 4000 Kilometer pro Jahre radle ich.
Wie ich heute feststelle, bin ich auch 2026 auf Kurs. Das erste Halbjahr ist noch nicht ganz vorbei und mein persönlicher Kilometerzähler steht schon auf fast 2000 Kilometern. Wahrscheinlich bin ich schon drüber, weil ich das ein oder andere Mal vergessen hatte, die Apple Watch aufzuladen oder die Tour zu starten.
Ich habe mal mitgezählt, allein aus dem Ehrgeiz, bei der Steuererklärung angeben zu können, an wie vielen Tagen ich mit dem Rad im Büro war, mit dem Auto oder mich der ÖPNV ans Ziel und wieder nach Hause brachte (ich weiß, die Pendlerpauschale ist unabhängig vom Verkehrsmittel und den Steuerprüfer im Finanzamt hat das nur mäßig beeindruckt). Aber in meinem besten Jahr bisher – 2019 – kam ich in meiner Zählung auf 92 Bürofahrten. Also an fast jedem zweiten Arbeitstag war ich mit dem Rad die 20 Kilometer von Gröbenzell in die Parkstadt Schwabing gefahren. Damals war ich auch noch sieben Jahre jünger und Homeoffice für mich zwar eine tägliche Notwendigkeit von etwa 6.30 Uhr bis 7.30 Uhr und manchmal auch noch abends, aber ansonsten weithin unbekannt. Bis 2020 alles anders wurde.
Seit dem Jahreswechsel 2021/22 ist mein Büro am Olympiapark, im hochtrabend Olympia Business Center genannten Riegel schräg gegenüber vom O2-Tower, der nicht weniger hochtrabend offiziell Uptown Munich heißt.
Das OBC ist ein hübsches achtstöckiges Gebäude, das den Stadtwerken München gehört und bis hinauf zum 8. Stock auch von ihnen genutzt wird. Schön: Das OBC liegt fünf Kilometer näher an Gröbenzell als die Parkstadt Schwabing. Noch schöner: Es gibt einen Fahrradkeller, in Schwabing-Nord musste das Radl immer draußen stehen bleiben.
Noch leben wir eine recht großzügige Homeoffice-Regelung, sodass ich seit 2022 an manchen Tagen doch lieber daheim geblieben bin, anstatt mich morgens durch den Regen zu quälen oder am frühen Abend in der Sommerhitze zu leiden. An manch anderen Tagen war die Besetzung im Büro so gering, dass ich im Homeoffice beinahe mehr menschliche Ansprache hatte, also sparte ich mir das Pendeln und drehte abends noch mal eine Radlunde um Gröbenzell und Umgebung. Ist dann streng genommen kein Stadtradeln mehr, denn die Idee, anstatt zu Radeln, für die Abendtour in den Biergarten (und sei es der daheim) das Auto zu nehmen, ist dann doch etwas absurd.
Die Kilometer der Abendtouren habe ich dennoch in das Stadtradln-Protokoll aufgenommen, das werde ich auch in diesem Jahr so handhaben. Wenn dann am Ende der drei Wochen eine scheinbar beeindruckende Zahl stehen sollte (mein Ziel: 400), hat diese auch damit zu tun, dass ich nicht nur zum Pendeln das Rad benutze, sondern auch in der Freizeit. Und selbst beim Pendeln drehe ich gerne ein paar Umwege.
Heute nahm ich etwa mein Mountainbike, das ich erst in Februar kaufte, weil mein altes Sportrad nicht mehr reparabel war, und fuhr nicht direkt ins Büro. Sonst nehme ich immer die Von-Kahr- respektive Allacher Straße, recht gute Radwege, an manchen Stellen auch breit genug zum Überholen, sehr gut von der Fahrbahn getrennt.
Mir war aber mehr nach Schotter und Wald. Also fuhr ich von Lochhausen aus an der Bahn entlang, den Schotterweg nördlich der Gleise in Richtung Alte Allee. Von der Blutenburg aus geht es dann durch den Durchblick, später ein Stück an der Nymphenburger Schlossmauer vorbei, ehe ich an der Bus- und Tramhaltestelle Amalienburgstraße die Menzinger Straße über die Ampel querte und mich ins Kapuzinerhölzl aufmachte.
Die letzten beiden Kilometer ging es dann wieder auf dem Radweg am Wintrichring entlang, der nach Querung der Dachauerstraße Georg-Brauchle-Ring heißt und an dessen Hausnummer 23 das OBC liegt.
Auf dem Heimweg nahm ich eine ähnliche Route, wieder durch das Kapuzinerhölzl, später dann noch am westlichen Ende der Aubinger Lohe wieder über Schotter. Vorteil dieser kleinen Umwege: Meist geht man dem Autoverkehr aus dem Weg. Warum das eine gute Idee ist, werde ich zu gegebener Zeit erläutern.
Stadtradelnkilometer 2026 bisher: 0
Gesamtkilometer 2026 bisher: 1.984
- Mission Statement

Liebe Stadradelnde aus Gröbenzell, nwenn ich mich mal kurz vorstellen darf? Mein Name ist Peter Müller, was einigermaßen langweilig klingt. Ich hoffe jedoch, stets das wichtigste Gebot des Erzählens einzuhalten: Du sollst nicht langweilen.
Weswegen ich mich beim Stadtradeln gar nicht langweilig als RoterRadler13 registriert habe, auch in diesem Jahr wieder im offenen Team Gröbenzell. Warum rot? Seit ich denken kann, bin ich Fan des FC Bayern München und damit zwangsläufig der Farbe rot. Mein Haus in Gröbenzell ist rot gestrichen (hat witzigerweise ein den Blauen zugetaner Maler ein klein wenig widerwillig, aber exzellent erledigt), ich habe ein rotes Radl für Freizeittouren (für Fahrten ins Büro am Olympiapark und für Einkäufe in Gröbenzell und Umgebung noch ein blaues, könnte den Maler freuen), selbst mein Auto ist rot. Das Auto, das ich in den drei Wochen im Juni und Juli nicht selbst bewege. Was die Kinder damit machen, ist eine andere Sache, aber ich werde sehr wahrscheinlich auf den Radln (dem roten und blauen) mehr Kilometer zurücklegen, als die mit meinem Auto.
Warum 13? Ich sprach bereits vom FC Bayern und dass mein Name Müller ist. Sowohl Gerd als auch Thomas haben in der Nationalmannschaft mit der 13 auf dem Rücken gespielt, leider nie beim FC Bayern. War zu Gerds Zeit die Nummer des Ersatzstürmers, aber wenigstens spielt der Thomas jetzt in Vancouver mit der 13. In Blau. Oder Weiß. Na, wenigstens die Farben unseres Himmels.
Was man sonst noch über mich wissen sollte: Geboren in Pasing, aufgewachsen in Aubing, studiert (Physik) in München und Garching, lebhaft seit 2003 in Gröbenzell, das ich schon in der Kindheit als nahegelegenes Ziel für Radtouren kennenlernen durfte. Damals gab es den Grünen Baum noch, für Erfrischungen mit Limo und Radler.
Beruflich treibe ich mich am Olympiapark herum, da ist das Büro der IDG Tech Media GmbH/ Foundry, die unter anderem das Computerportal macwelt.de betreibt, dessen stellvertretender Chefredakteur ich bin. Ihr wisst schon, Apple, Macintosh, iPhone und so.
Ich nehme gerne die Herausforderung als einer der Stadtradln-Stars an und werde Euch an dieser Stelle von meinen Erfahrungen berichten. Das rote und das blaue Radl werde ich hoffentlich um die 400 Kilometer weit bewegen, wenn es so läuft wie in den Jahren zuvor. Das rote Auto bleibt weitgehend stehen und wenn es fährt, dann ohne mich.
Schon heute weiß ich, dass der Verzicht auf die Bequemlichkeit, die Schnelligkeit und die Transportfähigkeit an manchen Tagen herausfordernd wird. Aber womöglich finde ich in diesen Situationen Lösungen, an die ich jetzt noch gar nicht denke.