Strampeln gegen die Müdigkeit

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Bei der Tour de France nehmen sie sich am zweiten und dritten Montag ihrer dreiwöchigen Strapazen einen Ruhetag. So legte ich gestern auch mal die Beine ein wenig hoch und verzichtete auf meine Tour nach Feierabend im Homeoffice. Zudem rollten ab dem späten Nachmittag allmählich die Gewitter an, die schon am Sonntag ihre Vorboten gesandt hatten.

Die gestrigen Gewitter haben Gröbenzell dann nur gestreift, während in der Stadt in einigen Vierteln schier die Welt unterging. Je weiter ich nach Osten radle, umso mehr Spuren sind zu sehen: Laub Zweige und Äste auf dem Fuß- und Radweg. Nur die Straße ist längst durch den Autoverkehr geräumt. Ich hätte gestern jedenfalls nicht an Ort und Stelle sein wollen, schon gleich gar nicht mit dem Fahrrad. Die Wetterprognose für den Dienstag ist aber recht günstig.

So setze ich mich gegen acht Uhr auf das Radl, hundemüde, weil ich um halb zwei in der Früh noch zusehen musste, wie der in Hamburg geborene FC-Bayern-Spieler Jonathan Tah seinen Elfmeter wie vor 50 Jahren ein gewisser Uli Hoeness über die Latte jagt. Die Bälle aus Boston und Belgrad werden sich irgendwo in der Erdumlaufbahn begegnen.

Gegen Müdigkeit – auch geistig – hilft Bewegung aber am besten. Statt in der S-Bahn zu sitzen, einzupennen und womöglich erst wieder an der Endstation aufzuwachen, geht es also wieder mit dem Radl ins Büro. Das Auto scheidet vollkommen aus, die nächsten zwölf Tage noch, heute eingeschlossen. Zumal müde Autofahren in etwa so sinnvoll ist wie mit mit vier Halben intus sich hinter das Steuer zu setzen.

Die frische Luft und die Bewegung regen den Kreislauf an, müde werde ich wohl erst wieder im Büro sein, spätestens nach dem Mittagessen. Angesichts des Windbruchs auf dem Radweg ist aber Vorsicht geboten – im Mai hatte ich auf dem Weg schon einen kleinen Unfall. In Höhe Westfriedhof sah ich einen Ast erst relativ spät und wirbelte ihn mit dem Vorderreifen gegen mein Schienbein – durch die Jeans hindurch schlug mir das Holz eine blutende Wunde. Harmlos, gewiss, ich würde das eher als Beinaheunfall einordnen. Aber gerade diese sind wichtig, um daraus zu lernen und das nächste Mal noch ein wenig achtsamer zu fahren.

Schließlich will ich nicht die Dichte an Geisterradln hier erhöhen, auf den letzten drei Kilometern zum Büro stehen zwei davon an Kreuzungen. Das jüngst aufgestellte kündet von einem besonders tragischen Fall: Im Februar 2025 hatte eine 33-jährige Radlerin am Wintrichring, Ecke Allacher Straße das Rotlicht übersehen und eine 19-jährige Autofahrerin, die grün hatte, konnte nicht mehr reagieren. 

Die Ampelschaltung ist an dieser Stelle auch ein wenig kompliziert und für Radfahrer recht ungünstig. Nicht selten benötigt man zwei Ampelphasen, um über den Wintrichring zu kommen. So lange die Anlage aber nicht anders geschaltet ist, gilt es einfach extrem wachsam zu sein. Macht der Autofahrer einen Fehler, hat sein Gefährt eine Schramme, begeht der Radler einen, könnte es sein letzter gewesen sein. Deshalb ist eine sichere Infrastruktur, die konsequent den Radverkehr vom Autoverkehr trennt auch so wichtig. Bedauerlicherweise ist das nicht überall machbar.

Stadtradelnkilometer bisher: 266,02

Gesamtkilometer bisher: 2.389

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