Die letzten Höhenmeter schiebe ich das Rad. Kopfsteinpflaster, recht glatt, und das Bürorad ist nicht das optimale Gefährt dafür. Noch dazu sind die Kopfsteinpflaster der letzten zehn Höhenmeter auf den Olympiaberg als Fußwege ausgewiesen. Auf denen fahre ich nur im absoluten Notfall und auch nur dann, wenn ich keine Fußgänger dabei belästige.
Der Olympiaberg – etwa 40 Höhenmeter auf dem Rad und dann eben noch mal zehn zu Fuß neben dem Rad – ist schon der zweite Berg auf dieser Tour. Der erste war der Giesinger Berg, von der Corneliusbürcke kommend, am Mariahilfplatz vorbei die Gebsattelstraße hoch. Angenehm wenig los und obwohl es sich hier nur um einen Schutzstreifen handelt, ist der breit genug, dass mich der E-Biker gefahrlos bergauf überholen konnte.
Natürlich werde ich nicht fürs Radeln bezahlt, mein Beruf bringt es aber mit sich, dass ich manchmal zu einem Pressebriefing darf oder muss, wo Hersteller und die von ihnen beauftragten Agenturen Produkte vorstellen oder gar demonstrieren. Die Reise dahin ist Arbeitszeit, sofern man nicht in einem ICE sitzt oder im Fond eines Dienstwagens, wo man dann noch arbeiten könnte. Dienstwagen mit Chaffeur habe und brauche ich nicht, ICE verkehrt keiner von Gröbenzell nach Haidhausen. Also mit dem Rad auf den Weg gemacht: Mein Einsatz galt heute dem smarten Fernglas Envision des französischen Herstellers Unistellar. Vor zwei Jahren hatte ich deren Teleskop Odyssee schon mal testen dürfen.
Die Demonstration des Envision sollte auf dem Olympiaberg passieren, von dort hat man eine wunderbare 360-Grad-Sicht auf die Stadt und was alles dahinter liegt – die Chiemgauer Alpen zum Beispiel. Der Trick des Envision, den ich auch schon mal näher erläutert habe: Im Sichtfeld blendet das Fernglas Informationen über die Landmarken, Gebäude und Objekte ein, die da zu sehen sind. Ist alles noch in Vorserie, ich werde zu gegebener Zeit über das finale Produkt berichten.
Darum geht es hier auch nicht, sondern um das Stadtradeln. Als die Einladung zu Präsentation und Demonstration kam, zögerte ich keinen Moment mit der Zusage. Den Olympiaberg könnte ich zur Not zu Fuß vom Büro aus erreichen und mit dem Radl ganz locker in wenigen Minuten. Nur war die vorherige Präsentation in den Räumen einer Agentur in Haidhausen angesetzt, in der St-Martin-Straße, Ecke Balanstraße.
Ist von Gröbenzell aus eine Strecke von etwa 24 Kilometern. Ich habe dennoch eine Stunde und 45 Minuten dafür gebraucht, es geht schließlich mitten durch die Stadt. Dort finden sich immer mehr gut ausgebaute Radwege, von denen ich zu meinen Studienzeiten noch nicht einmal zu träumen wagte, aber eben auch jede Menge Ampeln, die ich – anders als mancher Radler auf der Strecke – nicht ignoriere.
War wieder eine angenehme Fahrt bei sommerlichen Temperaturen, ich hatte mich schon Ende April bei nur wenigen Grad weniger die Gebsattelstraße hochgequält, um oben an der Kuppe in Richtung Paulaner Biergarten abzubiegen. Dieses Mal also geradeaus, durch die Au nach Haidhausen und nach der kurzen Präsentation des Produkts wieder aufgesessen und in Richtung Olympiapark geradelt. Balanstraße, Rosenheimer Straße, am Gasteig vorbei über die Ludwigsbrücke auf den Altstadtring – feine Radwege, die bei der Abfahrt die Mühen des Aufstiegs belohnen.
An der Staatskanzlei dann in Richtung Hofgarten abgebogen, über Karolinenplatz und Königsplatz in die Maxvorstadt. Dort dann über de Görrestraße zur Schleißheimer und links in die Karl-Theodor-Straße abgebogen – da sehe ich ihn auch schon, den Monte Scherbelino.
Ich bin sogar fünf Minuten vor den Kollegen da, die von Haidhausen aus ein Taxi nahmen, das aber meist im Stau stand.
An Tagen wie diesen (ja, die Toten Hosen haben gestern und vorgestern am Fuß des Olympiabergs musiziert) ist Radfahren auch in der Stadt ein Traum. Freilich kenne ich hier auch schwierigere Verkehrs- und Wetterlagen, aber je mehr Wege ich mit dem Rad zurücklege umso weniger Lust habe ich noch, mit dem Auto zu fahren. An der St.-Martin-Straße hätte ich eh keinen Parkplatz bekommen und die Olympiaparkharfe ist so weit vom Berg entfernt, dass sich für diese letzte Meile schon beinahe ein Leihfahrrad gelohnt hätte.
Stadtradelnkilometer 2026 bisher: 615,8
Gesamtkilometer 2026 bisher: 2.712