Manch Gröbenzeller echauffiert sich über das gewiss etwas groß geratene Schild der Bäckerei in der Kirchenstraße, Ecke Augsburger. Gerne wird dann auch betont, dass die Behauptung „Premium“ nun wirklich nicht der Wahrheit entspreche. Weder biete die Balkanbäckerei erstklassige Ware, noch sei sie erste Wahl.
Ich stimme zu. Und widerspreche.
Die Premium-Bäckerei ist nicht meine tägliche erste Wahl. Wenn ich Grau-, Misch- oder Vollkornbrot wünsche, finde ich da nichts. Auch keine reschen Brezen oder knackige Volkornsemmeln. Dafür gibt es sogar in Gröbenzell ordentliche Anlaufstellen, man muss nicht nach Schwabing, um das das vermutlich beste Brot der Stadt zu kosten oder nach Fürstenfeldbruck zum ehemaligen Gröbenzeller Bäcker Reicherzer, der wahrscheinlich das beste Brot und die besten Semmeln im Landkreis anbietet.
Aber wenn man Weißbrot sucht, als Beilage für Gegrilltes, für Antipasti oder deftige Kürbissuppen, geht nichts an dem Fladenbrot vorbei, das die Bäckerei in der Tat frisch bäckt und nicht nur als aus der Ferne angelieferten Rohling in den Ofen schiebt.
Auch sehr fein: die Semmeln. Diese sind zwar einerseits sehr nah am lateinischen Ursprung des Namens – so weiß, wie sonst nur mein Shakespeare-Herz – aber natürlich außen überhaupt nicht kross. Jedoch mit Butter bestrichen und Serarnoschinken belegt – Pršut gibt es hier im Ort ja leider keinen – was für ein Gedicht.
Den Rackl ein paar Meter weiter in Richtung Bahnhof habe ich ein wenig vermisst. Wobei sich das Gefühl, etwas zu Verlieren, schon länger hinzog. Die Qualität insbesondere der Semmeln hatte schon lange vor der Schließung der Filiale und letztendlich der Insolvenz des Betriebs nachgelassen. Aber die Nussschnecken! Immer ein wunderbarer Zuckerschock.
Seitdem ich aber die Zuckerschnecke der Balkanbäcker probiert habe (die sie dort hartnäckig „Zuckernecke“ nennen, ist wohl ein Problem der Aussprache), vermisse ich den Rackl plötzlich nicht mehr. Es fehlt der Zuckerguss, und genau das macht aus einem leckeren, aber süß-pappigen Gebäck, eine nussige Köstlichkeit. Mehr schwedische Kannebullar als pappige Nussigkeit – und auch wenn man sich nach dem Genuss die Finger bis zu den Ellenbogen abschlecken möchte, muss man sich nicht zwingend vor lauter Klebrigkeit sofort die Hände waschen.
Das sollte man beim Sesamzopf aber eher in Erwägung ziehen, der ist außen leicht ölig – vielleicht sogar mit Sesamöl getränkt? Dafür weit rescher als die 100-Gramm-Semmel, innen aber genau so weiß.
Süße Kolatschen und Strudel mögen etwas mehr an den Fingern haften bleiben, aber auch sie erinnern an Sommertage an der Adria. Die warmen Kuchen, die man in anderen Weltgegenden als dem Balkan wohl als Pizza bezeichnen würde, habe ich noch gar nicht ausprobiert. Wird bald passieren, bin den Winter über wieder im Homeoffice und habe nicht jeden Tag Lust, aus Resten in der heimischen Küche etwas zu basteln.
Nein, die Premium-Bäckerei ist nicht immer meine erste Wahl. Aber wenn ich Lust auf Balkan-Köstlichkeiten habe, ist sie meine erste Anlaufstelle.
Zur Kürbissuppe heute Abend gibt es jedenfalls ein Fladenbrot, das auch einen halben Tag nach dem Kauf noch sehr frisch schmeckt, anders als die von den hiesigen Aufbackstuben verkauften Baguettes.

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